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Doch es kam anders… |
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Leipzig (uz) [11.03.06]. Vier Jahre bei der Bundeswehr hätten es werden
sollen, als Offizieranwärter war Rolf Dieterle bei der Panzertruppe
in Dornstadt bei Ulm stationiert. Zwei Gründe gab es damals für
seine Entscheidung, zum Einen die ohnehin anstehende Wehrpflicht
aber zum Anderen auch die Loslösung von zu Hause. "Ohne die Wehrpflicht
wäre ich niemals zur Bundeswehr gekommen", betont der heute 55jährige
und erzählt, dass "irgendjemand" aus dem Familienkreis ihm
damals eine vierjährige Dienstzeit ans Herz gelegt hatte. Nach den
damaligen Laufbahnverordnungen hätte der gebürtige Freiburger
nach 21 Monaten Leutnant werden können. "Ich wollte nach dieser
Dienstzeit etwas technisches oder Informatik studieren", blickt Rolf
Dieterle schmunzelnd zurück. |
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Lebenslauf |
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Oberfeldarzt
Dr med Rolf Dieterle |
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14. Juni 1950 Geburt in Freiburg im Breisgau
1. Juli 1970 Eintritt in die Bundeswehr als Offizieranwärter der Panzertruppe in Dornstadt (bei Ulm)
23. März - 4. Juni 1971
Ausbildung zum Panzerunteroffizier (Kampfpanzer Leopard)
6. August 1971 Ernennung zum Fahnenjunker
1. Oktober 1971
Ernennung zum Fähnrich
1971/1972
Ablösung von der Offizierschule des Heeres (Hannover), Beginn des Studiums der
Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau als einer
der ersten Sanitätsoffizieranwärter
31. März 1977 bis 31. März 1978 Zweiter Abschnitt der ärztlichen Prüfung, Praktikumsjahr im Kreiskrankenhaus Donaueschingen
25. April 1978 Ärztliche Prüfung in Freiburg im Breisgau
11. April 1978 Beförderung zum Stabsarzt, Ernennung zum Berufssoldaten
2. Mai 1978 Approbation als Arzt
6. Juni - 28. Juli 1978
"Einweisungslehrgang" an der Sanitätsakademie der Bundeswehr
in München (SanAkBw)
1. August - 31. Dezember 1978
Bundeswehrkrankenhaus (BwK) München
1979
Truppenarzt beim Panzergrenadierbataillon 292 in Immendingen
10. - 20. Juli 1979
"Brigadearzt-Lehrgang" SanAkBw
20. August - 13. September 1979
Sonderlehrgang "Vorbereitung von Sanitätsoffizieren für Stabs-
und Führungsverwendungen" an der Führungsakademie der Bundeswehr
in Hamburg
6. - 30. November 1979
2. Teil des Lehrgangs an der SanAk
1980/1981
S3-Stabsoffizier beim Divisionsarzt der 10. Panzerdivision in Sigmaringen
zugleich Leiter Standortsanitätsbereich und Vertreter des Brigadearztes
der Panzerbrigade 29 (Sigmaringen)
Lehrgänge im medizinischen ABC-Schutz und Kriegschirurgie
23. April 1980
Promotion zum Doktor der Medizin
1. Juli 1980
Beförderung zum Oberstabsarzt
1. Mai 1981 - 31. Oktober 1985
Ausbildung zum Hautarzt an der Universitätshautklinik im BwK Ulm
25. September 1985
Anerkennung als Hautarzt
1. November 1985 - 28. Februar 1992
Leiter FU 3 im BwK Osnabrück
1986
Erwerb der Zusatzbezeichnung Sportmedizin
1990/1991
Ermächtigung zur Weiterbildung im Gebiet Haut- und Geschlechtskrankheiten
1991
Übungsleiter Bundeswehr, Fachsportleiter Leichtathletik
27. Mai - 30. November 1992
Einsatz UNTAC im Field Hospital Phnom Penh (Kambodscha)
1. März 1993
Versetzung an das BwK Leipzig
Januar - März 1994
Einsatz UNOSOM Mission in Somalia
August - Dezember 1995
Einsatz UNPF im Feldlazarett Trogir (Kroatien) als Dermatologe und Hygienebeauftragter
Arzt
1996
Ausbildung zum Hygienebeauftragten Arzt in Hannover
1998
Fachseminar Reise- und Tropenmedizin
November 2001 - Januar 2002
Einsatz KFOR im Feldlazarett Prizren (Kosovo) als Dermatologe und Hygienebeauftragter
Arzt
Mai - Juni 2002
Einsatz SFOR im Feldlazarett Rajlovac (Bosnien-Herzegowina) als Dermatologe
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Heute ist Rolf Dieterle Doktor der Medizin und im Dienstgrad
eines Oberfeldarztes Leiter der Dermatologie im Bundeswehrkrankenhaus
Leipzig. Der Sinneswandel kam während der Offiziersausbildung.
Die Offizieranwärter, die im Süden noch
auf dem Panzer M48 ausgebildet wurden, hatten mit
den Kriterien, die bei der Unteroffiziersausbildung
für den Kampfpanzer Leopard galten, ihre Nöte,
was sich in der Bewertung niederschlug. Außerdem
ergab eine Untersuchung, dass Rolf Dieterle für
den Erwerb eines Bundeswehrführerscheins nicht
tauglich ist. Diese Erfahrungen führten zu einem
gewissen Frust: "Ich war zu blind ein Auto zu
fahren, aber gut genug, eine Kompanie zu führen!" Zeitgleich
wurde damals eine eigenen Laufbahn für Sanitätsoffiziere
eingerichtet. Mangels Bewerber wurden Offizieranwärter
mit entsprechendem Numerus Clausus angesprochen.
Rolf Dieterle war einer von ihnen und ergriff die
Chance. "Mein damaliger Disziplinarvorgesetzter
hat es auf den Punkt gebracht, in dem er sagte,
er hätte mir wohl in die Beurteilung geschrieben,
ich wäre bescheuert, weil ich so ein Angebot
ausgeschlagen hätte", schmunzelt Dr. Dieterle,
der diese Entscheidung bis heute nicht bereut hat.
Sofort begann er das Studium der Humanmedizin in
Freiburg. Insgeheim hatte er sich einen Traumdienstposten
ins Auge gefasst: Sportmediziner beim Skizug in Todtnau/Fahl.
Damit hätte er auch eines seiner Hobbys, den
Sport, in den Beruf integrieren können. Doch
auch dieses Mal kam es anders: Statt seiner Traumverwendung,
die als "Rentnerjob" belächelt wurde,
folgte eine kurze Verwendungen als Truppenarzt im
Baden-Württembergischen Immendingen. Dort war
er für rund 1000 Soldaten zuständig, fast
ein Viertel davon aus einer Grundausbildungseinheit. "Montags
war das Wartezimmer immer voll", blickt der
Oberfeldarzt zurück und ergänzt: "als
ich mich eingelebt hatte, musste ich wieder gehen." Spaß gemacht
hat ihm diese Zeit trotzdem. Überhaupt scheint
er sich stets an die Situation angepasst und sie
mit viel Motivation für sich entschieden zu
haben. |
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„Brennend
heißer Wüstensand...“: Natürlich über nimmt
auch der Dermatologe medizinische Konvoi-Begleitungen im Einsatzland.
Foto: privat
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Nach Stabsverwendungen und der Leitung des Standortsanitätsbereiches
im benachbarten Sigmaringen promovierte Rolf Dieterle 1980
und begann im Jahr darauf die Spezialisierung zum Hautarzt
an der Universitätsklinik im Bundeswehrkrankenhaus
Ulm. Die Dermatologie empfand der Oberfeldarzt als optimales
Gebiet. "Man sieht Erkrankungen auf den ersten Blick",
betont er, außerdem operiert man selbst auch und
in Zeiten, die man länger an den Schreibtisch gefesselt
ist, kann man sich leicht mit entsprechender Literatur
auf dem Laufenden halten. Eine Möglichkeit, die er
sehr zu Schätzen gelernt hat. 1985 übernahm Dr.
Dieterle die Leitung der Dermatologie im Bundeswehrkrankenhaus
Osnabrück. 1992 erreichte ihn der Ruf zur Teilnahme
am ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr. "Für
uns gehörte es damals sicherlich nicht zum Aufgabengebiet,
aber die Bitte eines Generals schlägt man ja nicht
aus", erinnert sich der Mediziner. Innerhalb einer
Woche fand er sich in Kambodscha wieder. Der Einsatz setzte
Maßstäbe, das Ärzteteam legte bereits die
Grundlagen für die heutigen Lazarette. "Im Großen
und Ganzen hat man hervorragend auf uns gehört",
erzählt der Dermatologe, "nur bei einzelnen Dingen,
wie zum Beispiel einem Computer-Tomographen, wurden wir
damals noch belächelt..." Auch viele Rahmenbedingungen
wurden damals festgelegt. Die Mediziner leisteten echte
Pionierarbeit, die sie stark zusammengeschweißt hat.
Damals wurde das gesamte Spektrum der Humanmedizin abgefordert.
Dazu kam, dass man im Kambodscha auch plötzlich mit
Fragen der Tropenmedizin oder fremdartigen Krankheitsbildern,
die aus den Herkunftsregionen der zahlreichen UN-Mitarbeitern
konfrontiert wurde. Die Ärzte stellten sich der Herausforderung
und bildeten sich auch selbst gegenseitig weiter. Ohne
eine Vorgabe durch vorgesetzte Dienststellen organisierten
die Soldaten damals auch eine Einweisung ihrer Nachfolger.
Dr. Dieterle selbst war noch später oft mit Einsatzvorträgen
unterwegs. "Das hatte sich irgendwie herumgesprochen
und ging bis vor einigen Jahren immer so weiter",
erzählt er.
Im Osnabrücker Krankenhaus hätte er eigentlich
auch die Pensionierung erreichen sollen, doch das wurde
inzwischen aufgelöst. Motiviert von der Kameradschaft
im Einsatz entschied sich Dr. Dieterle für einen Wechsel
in das damals neue Bundeskrankenhaus in Leipzig, wohin
sich viele der Einsatzkameraden orientiert hatten. Hier
hatte er auch die Chance seinen Arbeitsbereich noch mitzugestalten.
Sowohl bei der Raumeinteilung, wie auch bei der Ausstattung. |
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| Mit einer
guten Mischung aus Motivation und Improvisation stellte sich Dr.
Dieterle stets auf die Überraschungen ein, die die Bundeswehr für ihn
bereit hielt.
Foto: privat
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Inzwischen
hat der Oberfeldarzt noch jede Menge weitere Einsatzerfahrung gesammelt:
Somalia, Kroatien, Kosovo und Bosnien-Herzegowina hat Dr. Dieterle
inzwischen „absolviert“, nur ein Einsatzgebiet ist noch
offen, doch Afghanistan steht bereits auf absehbare Zeit auf dem "Dienstplan" des
Oberfeldarztes. In den Einsatzlazaretten hat der Dermatologe eine ständige
Auslastung mit Patienten, das unterscheidet ihn im Wesentlichen von
den Notfallmedizinern. "Der Dermatologe kommt gleich nach dem
Friseur", scherzt Dr. Dieterle über die Frequentierung. Oft
wird er auch von Kollegen als Ratgeber hinzugezogen. In seiner Einsatzzeit
war er also immer ordentlich beschäftigt. Dazu kommt, dass die Ärzte
die Zeit oft nutzen, um sich gegenseitig mit Fachvorträgen zu
informieren. Für Dr. Dieterle war es auch immer sehr wichtig,
die Zusammenarbeit mit einheimischen Ärzten durchzusetzen. Er
hat beispielsweise im Krankenhaus von Prizren gearbeitet, wenn es die
Zeit zuließ. Dabei ging es viel weniger um die Hilfe für
die Mediziner vor Ort, als um die Erweiterung eigener Erfahrungen: "Man
muss lernen, wie man im Land mit den regionalen Krankheiten umgeht,
um eine optimale Versorgung sicherstellen zu können", betont
Dr. Dieterle und fügt hinzu: "in den Einsätzen habe
ich Krankheiten gesehen, die mir in Deutschland an keiner Universitätsklinik
gezeigt wurden! Außerdem sind es oft die einfachen Ärzte
von denen man was lernen kann!“ |
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Kleinere Operationen gehören für Dr. Dieterle (links) und sein Team zum Alltagsgeschäft. Fotos: Zeitter |
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Was
hat sich für den Mediziner im Laufe der Einsätze der verändert?
Der Oberfeldarzt lehnt sich wohl überlegend zurück und führt
als erstes die Routine an. So lobt er das Sportangebot, dass es mittlerweile
in den Feldlagern auf dem Balkan gibt. Vor allem seien die Einsätze
aber viel mehr organisiert, nein überorganisiert stellt Dr. Dieterle
fest. "Es hat sich viel verändert, seit auch Verwaltungsbeamte
in Uniform im Einsatz dabei sind", erzählt der Oberfeldarzt,
dabei will er gar nicht in Frage stellen, dass man auch im Ausland
die Leistungen der Mediziner, die dort nicht nur den Bundeswehrangehörigen
zu Gute kommen, irgendwie abrechnen muss. In Erinnerung ist ihm aber
die Behandlung von Botschaftsangehörigen aus Sarajevo geblieben,
die immer lange auf Arzt oder Medikamente warten mussten, weil der
Ansprechpartner in der Verwaltung nicht erreichbar war. Eine Entwicklung,
die dem Oberfeldarzt Sorgenfalten auf die Stirn zaubert.
Auch wenn die Laufbahn von Dr. Dieterle diese Überlegung nicht gefordert
hat, vergleicht er seinen Arbeitsbereich natürlich auch mit dem ziviler
Kollegen. "Der Hauptunterschied liegt wohl darin, dass bei der Bundeswehr,
durch die freie Heilsfürsorge der Patient in jedem Fall die bestmöglichste
Behandlung erhält, während Krankenkassen meistens nur das notwendigste
bewilligen", erzählt der Mediziner und lehnt sich zufrieden in
seinem Stuhl zurück. |
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