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„Jeanette, das ist was für dich!“ |
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Bruchsal (uz) [08.11.08]. Wenn Soldaten das Ausbildungsthema „ABC-Abwehr
aller Truppen“ auf dem Dienstplan lesen, treten bei den meisten bereits
erste Schweißperlen auf die Stirn. Die Gedanken wandern umgehend zu
pfeifender Signalmunition in den Farben weiß und rot, schweren Schutzanzügen,
Schutzmaske mit dem Einheitsgesicht und einem gewissen Stress. Dort wo für
diese Soldaten das kalte Grausen beginnt, dort liegt die alltägliche
Aufgabe von Oberleutnant Jeanette Ast. „Das gehört für mich
zum soldatischen Alltag und ich kann nichts Negatives dabei finden“,
bricht die 26jährige eine Lanze für die ABC-Abwehrtruppe. Es sei
eine Truppengattung bei der eben weniger mit Gepäck und Waffe im Anschlag
durch das Gelände gerödelt werde, sondern ein Aufgabenfeld bei
der der Geist mehr gefragt sei, empfindet Ast. Sie ist seit März 2008
als Zugführer beim ABC-Abwehrregiment 750 im badischen Bruchsal tätig. |
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Lebenslauf |
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Oberleutnant
Jeanette Ast |
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8. August 1982 in Borna bei Leipzig geboren
Abitur 2002
Juli – September 2002
AGA bei 2./ABC- Abwehrlehrbataillon 210, Sonthofen
Oktober – Dezember 2002
Spezialgrundausbildung, ABC- und Selbstschutzschule, Sonthofen
Januar/Februar 2003
Fahrschule (MKF BCE), Lagerlechfeld/ Kleinaitingen
März – Mai 2003 Offizierlehrgang 1, ABC-SE-S, Sonthofen
Mai/Juni 2003
Einzelkämpferlehrgang, Infanterieschule, Hammelburg
26. Juni 2003
Beförderung zum Fahnenjunker
Juli – September 2003
Gruppenführerpraktikum in der 3./ 210, Sonthofen
September 2003 – Februar 2004
Offizierlehrgang 2, ABC-SE-S, Sonthofen
März – Juni 2004
Hörsaalfähnrich, ABC-S/E-S, Sonthofen
Juli – September 2004
Zugführer Allgemeine Grundausbildung, 4./ ABC-Abwehrlehrbataillon 210,
Sonthofen
September – November 2004
Sprachenlehrgang Englisch, Idar-Oberstein
Dezember 2004 – Mai 2005
Offizierschule des Heeres, Dresden
30. Juni 2005
Beförderung zum Leutnant
Juni – September 2005
Leichte ABC-Abwehrkompanie 120, Sonthofen
September - Oktober 2005
Fallschirmspringerlehrgang, Luftlande/-transportschule, Altenstadt (Schongau)
Oktober 2005 – Dezember 2006
Zugführer-Offizier, Leichte ABC-Abwehrkompanie 110, Sonthofen
Januar – Mai 2007
Zugführer-Offizier Desinfektion und Wassertransport, ABC-AbwKp KFOR, Prizren
(Kosovo)
Juli 2007 – Februar 2008 Zugführer-Offizier, Leichte ABC-Abwehrkompanie
110, Sonthofen
Seit 1. Januar 2008 Oberleutnant
März - September 2008
Zugführer-Offizier B-Aufklärungszug, 4./ABC-Abwehrregiment 750, Bruchsal
Seit September 2008
Zugführer-Offizier Dekontaminationszug HEP, 4./ABC-Abwehrregiment 750,
Bruchsal |
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Ihr Interesse an der Bundeswehr wurde früh geweckt.
Ein Nachbar hatte ihr oft von seinem Dienst bei den Streitkräften
erzählt. Sie beschäftigte sich mit einer Karriere
bei der Bundeswehr, die Laufbahn der Feldwebel (Unteroffiziere
mit Portepee), möglichst in der Luftwaffensicherungstruppe
schwebte ihr vor. Jeanette Ast suchte Rat bei einem Wehrdienstberater.
Der empfahl ihr mit Blick auf das bevorstehende Abitur,
die Laufbahn der Offiziere einzuschlagen. Je mehr Ast über
die Bundeswehr erfuhr, desto deutlicher wurde ihr Entschluss: „Jeanette,
das ist was für dich“, habe sie sich damals
gesagt, lacht sie.
Nach dem Einstellungstest an der Offizierbewerber-Prüfzentrale (OPZ) in
Köln folgte ein kleiner Rückschlag in der Karriereplanung von Jeanette
Ast. „Wer spät dran ist, bekommt die Restplätze“, schmunzelt
sie im Rückblick. Eine Laufbahn in der ABC-Abwehrtruppe oder in der Artillerietruppe
wurde Jeanette Ast angeboten, die Stellen in der angestrebten Luftwaffensicherung
waren bereits belegt. Quasi auf gut Glück entschied sie sich spontan für
die ABC-Abwehr. „für diese Entscheidung hatte ich ja auch nur wenige
Sekunden Zeit“, erinnert sich die Soldatin. Bereut hat sie den Weg bislang
nicht. Im Gegenteil, der Themenbereich passte durchaus in die Interessen von
Jeanette Ast: „Ich hatte Biologie als Leistungskurs und war in Physik auch
nicht so schlecht!“ Für die Buchstaben A und B aus dem Spektrum lag
sozusagen ein Vorwissen vor.
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Viel Schreibarbeit gehört zu den Aufgaben des Zugführer-Offiziers.
Fotos: Walther, Heerestruppenbrigade |
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Am 1. Juli 2002 war es dann soweit: Jeanette Ast wurde
zur Allgemeinen Grundausbildung in das ABC-Abwehrlehrbataillon
210 nach Sonthofen einberufen. Ein Standort, dem
sie für die ersten sechs Jahre ihrer Dienstzeit, von Lehrgängen abgesehen,
treu bleiben konnte. Eine so lange Verwendung an einem Standort ist eher die
Ausnahme und wird von der Soldatin als Glücksfall beschrieben. Irgendwie,
so räumt Oberleutnant Ast ein, habe sie sich schon immer für Dinge
interessiert, die für Frauen eher untypisch seien. Immer mal wieder sah
sie sich in ihrer Dienstzeit mit dem Vorurteil konfrontiert. „Ich habe
den Drang, der Männerwelt zu zeigen, dass es nicht falsch ist, dass Frauen
bei der Bundeswehr ihren Dienst tun“, erläutert sie und fügt
hinzu: „Ich kann das alles genauso gut, wie ein Mann!“
Eine erste Möglichkeit, das unter Beweis zu stellen, erhielt Jeanette Ast
noch innerhalb des ersten Ausbildungsjahres. Während ihrer Offizierausbildung
absolvierte sie den Einzelkämpferlehrgang, eine Erfahrung, die für
sie zugleich eine angenehme wie auch eine unangenehme Ausbildungserinnerung darstellt. „Wir
wurden wirklich an die Grenzen der Leistungsfähigkeit oder auch darüber
hinaus gebracht. Das waren teilweise schon große Schmerzen, da wollte man
auch mal einfach nur heulen“, erinnert sich Ast. Heute ist sie zurecht
stolz auf ihre Leistung in diesem Lehrgang.
Stolz ist sie auch darauf, dass sie 2003 als „Hörsaalfähnrich“ ausgewählt
wurde. Als „Hörsaalfähnrich“ hatte sie Anteil an der Ausbildung
der Offizieranwärter aus dem nachfolgenden Offizieranwärterjahrgang
(OAJ) während deren Lehrgang an der ABC-Abwehr- und Selbstschutzschule der
Bundeswehr in Sonthofen. Jeanette Ast war die erste Frau, die für diese
Aufgabe ausgewählt wurde.
Nach Abschluss ihrer Lehrgänge und der Beförderung zum Leutnant am
30. Juni 2005 wurde sie zunächst in die leichte ABC-Abwehrkompanie 120 und
später in die leichte ABC-Abwehrkompanie 110, beide in Sonthofen, versetzt,
wo sie als Zugführeroffizier eingesetzt war. Zur Tätigkeit in der leichten
Kompanie, leichte Kompanien sind generell für einen luftbeweglichen Einsatz
aufgestellt, gehörte auch der Sprungdienst. 2005 absolvierte Ast den Fallschirmspringerlehrgang
an der Luftlande- und Transportschule in Altenstadt. |
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Im Januar 2007 sammelte Jeanette
Ast auch erste Einsatzerfahrung in Prizren im
Kosovo. „Ich bin eigentlich recht froh darüber, dass mein erster Einsatz
im Kosovo und nicht in Afghanistan war“, gesteht die Soldatin. Ihr Einsatz
war bislang ihre beste Bundeswehr-Erfahrung erzählt sie. „Das war
eine einmalige Kameradschaft und alle haben einfach an einem Strang gezogen“,
schwärmt Oberleutnant Ast. Neben den guten Arbeitsbedingungen, so berichtet
sie, habe es auch einfach deutlich weniger Papierarbeit gegeben. Als Zugführer
war Jeanette Ast damals mit für den Bereich Desinfektion und Wassertransport
verantwortlich. Ihre Zuständigkeiten hatte die deutsche Kompanie im gesamten
Kosovo. Für den Zugführer gab es dadurch genügend Gelegenheiten
die Soldaten zu begleiten. So hat Oberleutnant Ast damals einiges vom Land gesehen.
Dazu kommt, dass sie sich, wie sie sagt, immer bemüht hätte auch einmal über
den Tellerrand hinauszuschauen. Sie wäre, wenn es die Zeit erlaubt hätte,
auch im Bereich von CIMIC, der zivil-militärischen-Kooperation tätig
gewesen, um bei Hilfsprojekten in der Region zu unterstützen. Und eine wichtige
Erkenntnis hat Ast auch aus dem Kosovo mit nach Hause gebracht: „Ich betrachte
viele Dinge, die mir daheim selbstverständlich zur Verfügung stehen,
mit einer ganz neuen Wertschätzung“, sagt Jeanette Ast nachdenklich.
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Pause in den Schluchten des Balkans: Jeanette Ast hat viele positive Erfahrungen
während ihres Einsatzes im Kosovo gesammelt.
Foto: privat |
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Nachdem Jeanette Ast im Januar
2008 zum Oberleutnant befördert wurde, folgte auch die Versetzung
zum ABC-Abwehrregiment 750 „Baden“ nach Bruchsal. Hier ist
sie als Zugführeroffizier in der vierten Kompanie tätig. Eine
Kompanie, die kürzlich aus dem Einsatz zurückgekehrt ist. Für
Oberleutnant Ast bedeutete diese Abwesenheitsphase, dass sie sich weniger
um
ihre fachlichen Aufgaben zu kümmern hatte, sondern viel mehr um Belange
der Kompanie während der Abwesenheitsphase. Sie gehörte zum „Team
H“ (sprich „Team Hotel“), wie die Soldaten, die in den Heimatstandorten „die
Stellung“ halten, genannt werden. Zu ihren Aufgaben in dieser Zeit gehörte
vor allem auch die Einweisung und Ausbildung von Soldaten, die während der
Einsatzphase in die Kompanie versetzt wurden. Erst so langsam kehrt nun wieder
der Alltag in der Kompanie von Oberleutnant Ast ein. |
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Besprechung im "Team H". Jeanette Ast (rechts) in einer Besprechung. |
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Neben ihrer Dienstzeit hat Jeanette Ast ein Fernstudium aufgenommen: Betriebswirtschaftslehre. „Nein,
irgendwie kann ich mir zur Zeit noch gar nicht vorstellen, dass ich Berufssoldat
werden möchte“, blickt Jeanette Ast in die Zukunft. Dann würde
die Ära Bundeswehr für sie wieder enden. Eine Ära, in der sie
unterschiedliche Erfahrungen machen konnte, beispielsweise den Sieg über
die Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit, die einzigartige Kameradschaft
im Auslandseinsatz, aber auch die, dass die Frauen von den Kameraden teilweise
immer noch anders betrachtet werden als die Männer. „Auch wenn sich
vieles in den vergangenen Jahren gewandelt hat, spricht sich ein Fehler, den
eine Frau macht, noch immer viel schneller herum, als wenn ihn ein Mann macht“,
stellt Oberleutnant Ast fest. Die Entscheidung zur Bundeswehr zu gehen, bereut
Jeanette Ast aber auf keinen Fall. |
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