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 Mental fit bleiben - auch in Streßsituationen
 Was kann jeder Soldat selbst tun?
Stichwort: Mentalfitness
“Was ist Mentalfitness?"
Mentale Fitness oder Kompetenz ist der Ausdruck des (Anm. d. Red. geistigen) Vermögens eines Menschen

sich nicht impulsiv vom Moment mit seinen noch unverarbeiteten Eindrücken durch ein ständiges Wechselbad der Gefühle ziehen, verunsichern und zu ungereiften Äußerungen, Entscheidungen und Handlungen verleiten zu lassen, sondern...

... sich sowohl von fixierten persönlichen als auch in der Organisationskultur oder verankerten oder zeitgeistig fixierten Denk- und Verhaltensmustern befreien und von bewährten Erfolgspfaden lösen zu können.

... sich einer Aufgabenstellung auf alternativen Lösungskorridoren zu nähern; ein Ziel auf ungewohnten bzw. einer Kombination von Wegen erreichen zu können.

... in der Situation über der Situation zu stehen und sich so ungeachtet der Rahmenbedingungen innerlich frei, (welt-)offen und konzentriert an seiner oberen Leistungsgrenze bewegen zu können.”

Quelle: Volk, Hartmut: Ausweg aus den alten Denkfallen. Warum mentale Fitness immer mehr an Bedeutung gewinnt. LZ 7 vom 19. Febr. 1999 (Personal und Management)
Der Experte
Graham P. Rogers,
thinktall
Seit Anfang der 80er Jahre nutzt Graham P. Rogers Mentales Training, um die Leistung seiner Mitarbeiter zu steigern.
Parallel gründete er eine der ersten User Help Desks. Durchgezieltes Training der Mitarbeiter ließen sich Ziele früher erreichen.
Er gewann tiefe Einblicke in interkulturelle Beziehungen als Country Manager, Vertriebsleiter Central Europa im Software-, Produkt- und Dienstleistungs-Verkauf.
Seine Seminar Teilnehmer profitieren von seiner Erfahrung aus nun schon 25 Jahren, in denen sich Graham P. Rogers privat wie beruflich in einem internationalen Umfeld bewegt.
 
Itzehoe/Frankfurt am Main. (uz) [27.10.06] "Soldaten stehen unter Streß. Zugegeben sicherlich nicht immer, aber mit dem Berufsbild sind ungeahnte Streßfaktoren verbunden, die unvergleichlich bleiben: „Stellen sie sich vor, Granaten schlagen ein, das Maschinengewehr feuert und verwundete Kameraden schreien um Hilfe“, ist ein beliebtes Szenario von Ausbildern in den militärischen Anteilen der Laufbahnlehrgänge. Viel zu oft sind die Lehrgangsteilnehmer zu stolz oder zu desinteressiert, um das was für die meisten Soldaten ohnehin spärlich von der Bundeswehr zur Streßbewältigung und -prävention geboten wird, anzunehmen.
Viele insbesondere jüngere Soldaten schätzen Belastungssituationen nicht richtig ein. Die Einsätze der Bundeswehr bieten sicherlich nicht täglich die eingangs genannten Szenarien. Das Streßpotential liegt versteckter und findet Ursachen oft in der Trennung von der Familie oder in unendlicher Bereitschaft für einen Fall der Fälle, um nur zwei Beispiele zu nenen.
truppen.info hat mit dem Mental-Trainer Graham P. Rogers über die Möglichkeiten gesprochen, wie jeder selbst sich für die aktuellen und bevorstehenden Aufgaben stärken kann:

truppen.info: Herr Rogers, wie erkennt der Mensch die Zeichen, dass es an der Zeit wäre sich, auf welchem Wege auch immer, zu trainieren und mental auf der Höhe zu bleiben?

Graham P. Rogers: Am Besten ist, wenn man vorbeugend mit einem Training beginnt, damit man gar nicht erst in eine Streßsituation verfällt. Spätens wenn die Freude an meiner Aufgabe, an meiner Arbeit, an der Familie, am Sport, am Einsatz verschwindet, muss ich reagieren. Aber es gibt keinen Punkt bei, sagen wir mal, "20,4 Megahertz" an dem ich etwas bemerke.


truppen.info: Sie geben unseren Lesern im Anschluss Tipps zum mentalen Selbsttraining - welche Vorausetzungen stellen diese Tipps an den Anwender im Hinblick auf Lebensalter und Bildungsstand?

Graham P. Rogers: Es gibt schon mentales Training für Kinder und mein ältester Seminarteilnehmer war schon über 70, da gibt es überhaupt keine Einschränkungen. Die einzige Voraussetzung, die man erfüllen muss, ist der Wille und die Disziplin tatsächlich etwas zu tun. Oftmals ist es gar kein Zeitaufwand, sondern man muss nur den Tag etwas anders gestalten. Das kann jeder tun.
Es gibt ein Leitwort, das sagt: "Statt Horror schauen Sie lieber Humor im Fernsehen an, dabei erholen Sie sich schneller!" Der Grund dafür ist, dass die Eindrücke, wenn man beispielsweise einen Horrorfilm oder einen Krimi sieht, viel länger anhalten, als wenn man eine humorvolle Sendung sieht.


truppen.info: Welche Unterschiede gibt es in der Anwendung des Trainigs mentaler Ausdauer zwischen Soldaten und Ihrer zivilen Klientel?

Graham P. Rogers: Soldaten sind im Einsatz, ihren Aufgaben entsprechend, in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Sie können zum Beispiel keinen ausgiebigen Spaziergang machen, von Patrouillen einmal abgesehen, denn die entspannen nicht.
Hier ist der große Einfallsreichtum des Soldaten gefordert. Zum Beispiel kann er in Ruhe mit einem MP3-Player Musik hören oder improvisierte Freizeitaktivitäten sportlicher oder geistiger Art zur Ablenkung nutzen.

truppen.info: Vielen Dank, Herr Rogers, Sie haben das Wort für Ihre Tipps:

Tipp 1 Tipp 2 Tipp 3 Tipp 4 Tipp 5
 Tipp 1: Was ist Eu-Stress und Dis-Stress?
Stress - die meisten Menschen wissen nicht, dass zwei Sorten von Stress gibt:
  1. Dis-Stress - Negativen Stress
    Stress in seiner negativen Bedeutung (Distress) bedeutet Überanstrengung und Überbelastung, die nicht mehr ausgeglichen werden kann. Distress macht sich durch Symptome wie Konzentrations- und Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden, aggressive Gereiztheit, Versagensängste, Ärger und Enttäuschung sowie Abgeschlagenheit und Mutlosigkeit bemerkbar. Dauernde Überlastung kann zu Stress-Symptomen und -krankheiten führen wie:
    • schmerzhafte Muskelverspannungen
    • Kopfschmerzen
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Herz-Kreislauf-Beschwerden und Herzinfarkt
    • Erschöpfungszustände und Schwächungen des Immunsystems

  2. Eu-Stress - Positiven Stress
    Stress in seiner positiven Bedeutung (Eustress) ist anregend, gibt positive Impulse, befähigt dazu, sich Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Jeder Mensch braucht solchen anregenden Stress, um leistungsfähig und fit zu bleiben und sich gegenüber den Anforderungen der Umwelt „behaupten“ und beweisen zu können. Schwierige berufliche Aufgaben zu lösen, sportliche Leistungen oder private Erfolge zu erzielen, ist mit Anstrengung verbunden. Positive Erlebnisse nach erfolgreichen Bemühungen fördern die Weiterentwicklung von Fähigkeiten, die Motivation, die Zufriedenheit und die Gesundheit. Entscheidend ist, dass nach jeder Belastung und Anstrengung genügend Raum für Entspannung und Erholung bleibt. Wenn die innere Balance von Belastung und Entlastung gehalten wird, fördert dieser Wechsel die Gesundheit und die Lebensfreude.
Wie komme ich vom Distress zum Eustress? Den Alltag kann bedeuten das ich in dienst Physische oder Mentalen Forderung habe die mich Distress bereiten. Finden Sie heraus, welche Art des Stressabbaus für Sie geeignet ist. Dabei sollte der Erholungswert im Vordergrund stehen. Einfache Formen des Umgangs mit Stress sind zum Beispiel:
  • Sportliche Aktivität ist ein hervorragender Ausgleich gegen Stressbelastung. Der Organismus kann die durch Stressreaktionen mobilisierten, aber nicht „abgerufenen“ Kräfte durch viel Bewegung am besten abreagieren. Dabei sollte der Sport Spaß machen und nicht erfolgsorientiert sein wie beim Leistungssport.
  • Bewusstes Ausatmen und Bewegen kann schon während der Arbeitszeit Stress abbauen helfen. Atemübungen für Kurzzeitentspannung können einen Sauerstoffkick verschaffen.
  • Wenn Sie häufig negativem Stress ausgesetzt sind, kann Ihnen das Erlernen eines Entspannungstrainings wie zum Beispiel der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen oder des Autogenen Trainings helfen, übermäßige Stressbelastung abzubauen.
Patrouille ist zwar sicherlich einen Stressbelastung mit den oben genannten Maßnahmen können Sie sich wieder Fit machen.
 Tipp 2: Der Weg ist das Ziel - lernen Sie Ihr Problem zu lieben
Wenn wir ein Problem haben, dann wollen wir es am liebsten von heute auf morgen einfach weghaben und vergessen können. Wir sehen es als lästig an und wünschten, wir könnten es wie unserem Müll einfach entsorgen. Dabei vergessen wir eines: Jedes Problem birgt unendlich viele Möglichkeiten für uns, als Mensch zu wachsen und dazuzulernen.
Dem entsprechend ist ein sehr nützlicher Ansatz für die Lösung von Problemen, Herausforderungen jeder Art als Lernaufgabe wertzuschätzen und auch den Lösungsweg selbst lieben zu lernen. Das ist viel weniger theoretisch, als es vielleicht klingt - denn tatsächlich macht genau das fast jeder Mensch in bestimmten Bereichen.
Wer z.B. eine Sportart oder ein Instrument erlernen will, steht zunächst vor einer großen Herausforderung. Menschen, die nun nur auf das - noch nicht erreichte - Ziel schauen, hadern mit sich und ihren Fähigkeiten. Sie sind unzufrieden damit, noch nicht so gut zu sein und vergeuden viel Energie mit Selbstkritik. Darüber vergeht ihnen schnell der Spaß an der Sache und sie geben auf.
Anders ist es bei denjenigen, die die Sache selbst lieben und für die, die Begeisterung für die Tätigkeit entwickeln. Sie können trotz Frustphasen den Lernprozess genießen und gewinnen so aus ihrer Freude die Kraft zum Durchhalten.
Was für Lernprozesse gilt, gilt auch für das Problemlösen. Probleme zu lösen, ist nichts anderes, als dazuzulernen - Fähigkeiten, Erkenntnisse, Erfahrungen. Mathematiker z.B. genießen das Lösen schwieriger mathematischer Probleme - sie fühlen sich dadurch herausgefordert. Und wenn Sie vielleicht gerne Rätselraten, dann wenden Sie bereits diesen hilfreichen Grundsatz des lösungsorientierten Denkens ganz praktisch an.
Für anstehende Problemlösungen, bei denen Ihnen das noch nicht so leicht fällt, können Sie die folgenden Denkfragen nutzen::
  • Was könnte gut an diesem Problem sein - für mich und / oder für andere?
  • Was kann ich durch dieses Problem / dieser Herausforderung lernen?
  • Welche Erfahrungen kann ich machen, die ich ohne es hätte nicht machen können?
  • Inwieweit kann dieses Problem bzw. das Lösen desselben meinen Horizont und meine Fähigkeiten erweitern?
Tipp 3: Denken-Ursache-Wirkung
Denken – Ursache – Wirkung – das was ich in meinem Kopf zulasse beeinflusst, wie ich später damit umgehe. Also passen Sie auf, an was Sie denken – Weil das weiß man schon lange in der EDV „Garbage in – Garbage out“ (Müll rein Müll raus)!
Schauen Sie nicht so viele Nachrichten - Einmal am Tag reicht völlig - nutzen Sie Ihre wertvolle und rare Freizeit in positivem Sinne:
  • Sport treiben, Eustress
  • Bucher lesen – entspannt und/oder bildet
  • Musik hören – entspannt und regt die Kreativität und denIdeenreichtum an
  • Genießen Sie Ihr Umfeld anders – statt verspanntem Warten auf den Einsatz nehmen Sie den Sonnenaufgang oder -untergang, die Landschaft, Sprache, Kameraden war
 Tipp 4: Denken Sie nicht in Problem sondern in Lösungen
Worüber sprechen Kranke?

Woran denken Einsamme?

Und der Soldat?

Seien Sie offen für viele Möglichkeiten:
Wenn Sie sich für den Gedanken öffnen, dass Probleme komplexer sind, als sie auf den ersten Blick wirken, dann fällt es leichter, sich klarzumachen, dass in der Regel nicht eine einzige Lösung zum Ziel führt - und schon gar nicht die erstbeste, die einem einfällt.
Die Sehnsucht danach, möglichst schnell eine passende Lösung zu finden, ist verständlich. Sie führt aber genauso schnell dazu, sich auf einen einzigen Lösungsweg zu versteifen - und der kann ins Nichts führen oder das Problem sogar verstärken. Es ist schon vorgekommen, dass Menschen so fixiert auf ihren eingeschlagenen Lösungsweg waren, dass sie nicht einmal gemerkt haben, dass sich das Problem in der Zwischenzeit erledigt hatte...
Es ist deshalb ratsam, über möglichst viele Lösungsansätze nachzudenken. Das klingt zunächst nach Mehrarbeit, hat aber folgende Vorteile:
  • Sie durchdenken ein Problem weitaus intensiver, wenn Sie sich über mehrere Lösungen Gedanken machen.
  • Sie verrennen sich nicht so schnell in eine Richtung, sondern bleiben gedanklich flexibel.
  • Sie haben auch praktisch verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, müssen also nicht verzweifelt sein, wenn ein Weg nicht zum Erfolg geführt hat.
Blockieren Sie sich also nie für andere Lösungswege. Nutzen Sie Kreativmethoden, wie z.B. das Brainstorming, um möglichst viele Ideen zu finden. Notieren Sie alle Ideen, auch die, die verrückt klingen - wer weiß, ob nicht gerade in Ihnen die ersehnte Lösung liegt!
Tipp 5: Autogenes Training
Für Autogenes Training benötigen Sie keinen Geräte oder besondere Umgebung.

Probieren Sie es aus!

So funktioniert Autogenes Training:

Autogenes Training ist im Prinzip ganz einfach: Setzen oder besser legen Sie sich bequem hin.
Vermitteln Sie sich zunächst ein Schweregefühl im ganzen Körper. Beginnen Sie mit dem Kopf. Denken Sie: "Mein Körper ist schwer, mein Gesicht ist schwer, meine Arme, meine Hände sind schwer ..." Gehen Sie systematisch den ganzen Körper durch und versuchen Sie dabei, diese Schwere zu spüren (Sie entsteht tatsächlich. Die Muskeln entspannen sich, alles folgt der Schwerkraft ...)
Beginnen Sie nun erneut beim Gesicht mit "Mein Gesicht wird von Wärme durchflutet ..., meine Schultern sind warm, meine Arme ..." Auch dieses Wärmegefühl können Sie spüren. Es wird durch bessere Durchblutung gefördert.
Jetzt beginnen Sie mit der beabsichtigten Affirmation: "Mein Kopf ist kerngesund. Ich will den ganzen Tag eine gesunde Lebenshaltung ausstrahlen. Meine Arme ..." Atemübungen verfolgen ein ähnliches Ziel. Man versucht zu spüren, wie man mit der Luft "Lebensenergie" einsaugt und im Körper verteilt ...
[Das Gespräch führte Uwe Zeitter]
 
Graham P. Rogers (thinktall)
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