Der Umgang mit Verwundung und Tod gehört inzwischen zu den
alltäglichen Einsatzerfahrungen deutscher Soldaten im
Auslandseinsatz. Der Tod von zwei Bundeswehrsoldaten bei dem
jüngsten Explosionsunglück in Afghanistan und mehrere
Verwundete belegen dies eindringlich. Neben den physischen
Verwundungen erleiden die Beteiligten jedoch fast
ausnahmslos auch psychische Verwundungen. Hierbei handelt es
sich um Posttraumatische Stressreaktionen bis hin zur
Entwicklung einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Bei
der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) handelt es
sich um die schwerste und lähmendeste Form aller
menschlichen Stressreaktionen. Die Symptome einer akuten
Belastungsreaktion können sein: Furcht, Angst,
Schuldgefühle, Depressionen und Schlaflosigkeit. Die
Erfahrung und eine Vielzahl von Berichten belegen, dass ohne
rechtzeitige Krisenintervention, also Stressbewältigung, bei
etwa einem Drittel der Betroffenen nach Wochen oder gar
Jahren psychische Spätfolgen auftreten. Symptome sind dabei
unter anderem: sich aufdrängende, wiederkehrende Bilder des
traumatisierenden Ereignisses, Alpträume und
Vermeidungsverhalten, um jeglicher Erinnerung an das
Ereignis aus dem Weg zu gehen. Dies führt für die
Betroffenen nicht selten in die soziale Isolation und zu
Schwierigkeiten bis hin zur Dienst- bzw. Arbeitsunfähigkeit.
SKARABÄUS hilftFür aktive
Soldaten im Einsatz hat die Bundeswehr umfassende
Stressbewältigungsangebote vorgesehen. Unmittelbar nach einem
Schadensereignis greift die psychologische Krisenintervention im
Rahmen der Selbst- und Kameradenhilfe durch so genannte Peers. Dies
sind speziell ausgebildete Soldaten, die durch Anwendung bestimmter
Stressbewältigungstechniken auf den Betroffenen entlastend
einwirken. Daneben stehen Truppenpsychologen, Truppenärzte und
Militärpfarrer zur Verfügung. Allerdings kann man immer wieder
feststellen, dass betroffene Soldaten weiterführende Hilfe selten in
Anspruch nehmen. Sie schämen sich für ihre psychische
Ausnahmesituation und möchten nicht als vermeintliche „Schwächlinge
oder Versager...“ gelten. Diese Haltung wird dann leider zu oft auch
durch Vorgesetzte gefördert, die meinen, ein „Psycho...“ schade dem
Ruf der Einheit und solch ein „Versager“ müsse Konsequenzen für
seine Beurteilung und weitere Laufbahn hinnehmen. Eine große Anzahl
der Einsatzteilnehmer glaubt zudem, nach der Entlassung aus der
Bundeswehr würden sich die Probleme von selbst regeln. Daß dies ein
großer Irrtum ist, sieht man an den US-Kriegsteilnehmern nach den
jüngsten Irak-Kriegen. Experten gehen davon aus, das bis zu 30 Jahre
nach den belastenden Kriegserlebnissen psychische Therapien für
Betroffene notwendig werden können. Ähnliche Erfahrungen hatten die
USA mit den Vietnam-Veteranen gemacht. Ehemalige Soldaten der
Bundeswehr bzw. Reservisten können zwar die Hilfe der Bundeswehr in
Anspruch nehmen, neben aufwendigen bürokratischen Hürden der
Bundeswehrverwaltung stellt sich aber für Betroffene oft die Frage
nach der Vereinbarkeit einer möglichen Therapie durch die Bundeswehr
mit seinem Arbeitsplatz und möglichen Konsequenzen durch den
Arbeitgeber. Speziell für diesen Personenkreis haben ehemalige und
aktive einsatzerfahrene Soldaten sowie engagierte "Zivilisten" den gemeinnützigen Verein SKARABÄUS
human health organisation gegründet. Hier können ehemalige
Einsatzteilnehmer/innen und deren Angehörige psychologische Hilfe
und Unterstützung in Anspruch nehmen. Allein die Möglichkeit, sich
mit „Gleichgesinnten“ seine Probleme von der Seele zu reden zu
können, ist für Betroffene und Angehörige entlastend. Auch
Hilfestellungen bei „Amtsangelegenheiten“ tragen oftmals zu einer
schnellen Konfliktlösung bei.
Eine erste
Kontaktaufnahme und ausführliche Online-Beratungen erfolgen in der
Regel über das Internet. Weiterführende Maßnahmen werden im
Einzelfall je nach Situation mit den Betroffenen besprochen. Hierfür
steht das SKARABÄUS - Kompetenznetz (Psychologen, Ärzte,
Rechtsanwälte etc.) den Betroffenen kostenlos zur Verfügung. Die
Mittel für seine Leistungen erbringt SKARABÄUS durch
Mitgliedsbeiträge und Spenden.
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