Was
um alles in der Welt spricht gegen einen Einsatz im Kongo?
Kindersoldaten? Fehlende Französischkenntnisse?
Oder die Angst vor Toten – auf welcher Seite auch
immer? Doch wozu bitte schön hat ein souveräner
Staat eine Armee? Es muss endlich Schluss sein mit dem
Herumgeeiere! Das heißt nicht, dass deutsche Soldaten
Weltpolizei spielen sollen. Aber wenn die Weltgemeinschaft
den Einsatz militärischer Mittel beschließt,
heißt das sehr wohl, dass dann auch deutsche Soldaten
eingesetzt werden können müssen. So wie jetzt
im Kongo – und auch jenseits von Afrika.
Eines dürfte klar sein: es geht dabei immer auch um
Einfluss, Macht und Geld. Damit gewinnt man keinen „Oskar“.
Doch das Leben auf dem schwarzen Kontinent ist nun einmal
auch nicht so cineastisch wie in „Jenseits von Afrika“.
Im Kongo wird gestorben, tausendfach, täglich. Wenn
es uns Deutschen bei einem solchen Militäreinsatz zusätzlich
auch um Menschenrechte geht, umso besser.
Wie hoch der Preis sein wird, wir werden es erleben. In Afghanistan
sterben schon jetzt deutsche Soldaten. Und zwar nicht nur
bei ISAF, sondern auch im Anti-Terrorkampf „Enduring
Freedom“, wenn man Insidern glauben darf. Der Öffentlichkeit
verschweigt man das lieber. Im Kongo wird das so nicht funktionieren.
Leichensäcke gehören deshalb mit zur Grundausstattung
eines Kontingentes. Es müsste eben eher heißen „Die
Wildgänse kommen“ – und nicht zwangsläufig
auch alle zurück. Darüber muss sich ein jeder Soldat
und auch ein jeder Bundestagsabgeordneter im Klaren sein.
Entweder die Sache ist es wert, dafür gegebenenfalls
zu sterben beziehungsweise sterben zu lassen – oder
man lässt die Finger ganz davon.
Als Deutsche in der vermeintlich sicheren Hauptstadt Kinshasa
zu sitzen und die Franzosen ins gefährlichere Landesinnere
zu schicken, darf nur militärisch-operationell begründet
sein. Denn Franzosen sterben auch nicht lieber als ihre deutschen
Kameraden. In zwei Jahren wird die gesamtdeutsche Bundeswehr
volljährig. Was die Frauen und Männer brauchen
ist eine Gesellschaft, die hinter ihrer Armee und ihrem – weltweiten – Auftrag
steht. Nutzen wir die Zeit bis zum 18. Geburtstag, und diskutieren
eben diesen Auftrag in großer Breite. Nur dann wird
auch der zumindest größte Teil der Bevölkerung
hinter den eigenen Streitkräften stehen und den gefallenen
Soldaten für ihr Opfer an die gemeinsame Sache danken.
(Lars Bessel) |