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 Jenseits von Afrika
 Kommentar von Lars Bessel
Itzehoe [27.04.06]. Willkommen im Jetzt! 16 Jahre nach Ende des Kalten Krieges hat sich die Bundeswehr zu einer internationalen Einsatztruppe gemausert. Sicherlich mit all den hinlänglich bekannten Problemen, aber eben längst nicht mehr die Truppenübungsplatztruppe, die im Fall der Fälle auf dem innerdeutschen Schlachtfeld hätte geopfert werden sollen. Doch diese Erkenntnis – und ihre Konsequenz – hat sich offenbar noch nicht so recht durchgesetzt, auch nicht bei den Damen und Herren Berufspolitikern. Man ist versucht zu sagen: traut Euren eigenen Soldaten doch einfach mal etwas mehr zu.
Was um alles in der Welt spricht gegen einen Einsatz im Kongo? Kindersoldaten? Fehlende Französischkenntnisse? Oder die Angst vor Toten – auf welcher Seite auch immer? Doch wozu bitte schön hat ein souveräner Staat eine Armee? Es muss endlich Schluss sein mit dem Herumgeeiere! Das heißt nicht, dass deutsche Soldaten Weltpolizei spielen sollen. Aber wenn die Weltgemeinschaft den Einsatz militärischer Mittel beschließt, heißt das sehr wohl, dass dann auch deutsche Soldaten eingesetzt werden können müssen. So wie jetzt im Kongo – und auch jenseits von Afrika.
Eines dürfte klar sein: es geht dabei immer auch um Einfluss, Macht und Geld. Damit gewinnt man keinen „Oskar“. Doch das Leben auf dem schwarzen Kontinent ist nun einmal auch nicht so cineastisch wie in „Jenseits von Afrika“. Im Kongo wird gestorben, tausendfach, täglich. Wenn es uns Deutschen bei einem solchen Militäreinsatz zusätzlich auch um Menschenrechte geht, umso besser.
Wie hoch der Preis sein wird, wir werden es erleben. In Afghanistan sterben schon jetzt deutsche Soldaten. Und zwar nicht nur bei ISAF, sondern auch im Anti-Terrorkampf „Enduring Freedom“, wenn man Insidern glauben darf. Der Öffentlichkeit verschweigt man das lieber. Im Kongo wird das so nicht funktionieren. Leichensäcke gehören deshalb mit zur Grundausstattung eines Kontingentes. Es müsste eben eher heißen „Die Wildgänse kommen“ – und nicht zwangsläufig auch alle zurück. Darüber muss sich ein jeder Soldat und auch ein jeder Bundestagsabgeordneter im Klaren sein. Entweder die Sache ist es wert, dafür gegebenenfalls zu sterben beziehungsweise sterben zu lassen – oder man lässt die Finger ganz davon.
Als Deutsche in der vermeintlich sicheren Hauptstadt Kinshasa zu sitzen und die Franzosen ins gefährlichere Landesinnere zu schicken, darf nur militärisch-operationell begründet sein. Denn Franzosen sterben auch nicht lieber als ihre deutschen Kameraden. In zwei Jahren wird die gesamtdeutsche Bundeswehr volljährig. Was die Frauen und Männer brauchen ist eine Gesellschaft, die hinter ihrer Armee und ihrem – weltweiten – Auftrag steht. Nutzen wir die Zeit bis zum 18. Geburtstag, und diskutieren eben diesen Auftrag in großer Breite. Nur dann wird auch der zumindest größte Teil der Bevölkerung hinter den eigenen Streitkräften stehen und den gefallenen Soldaten für ihr Opfer an die gemeinsame Sache danken.
(Lars Bessel)
 Auftrag: ein freies und demokratisches Kongo
 "Die Einsatzbereitschaft aller Truppenteile erhöhen."
 Länderinformation "Kongo"
 
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