„In unseren Gesprächen in Afghanistan mit dem Minister für
Höhere Bildung wurde uns verdeutlicht, dass vorerst keine Online
Colleges registriert werden“, berichtet Kathrin Hamm. Das College
müsse außerdem finanzielle Sicherheiten aufbringen. „Reine
Online-Lehrinstitute werden in Afghanistan noch nicht anerkannt. Da hat
die Regierung in der Vergangenheit schlechte Erfahrung gesammelt. Man
bot uns an, Präsenzstudienphasen einzubauen“, ergänzt
Hamm. Dann würde eine Anerkennung durchaus möglich sein. „Derzeit
prüfen wir insgesamt verschiedene Optionen“, fügt Hamm
hinzu. Doch eine Erhöhung der Präsenzphase ist schwierig. Bislang
konnten auch Studenten aus ländlichen Regionen und vor allem auch
Frauen sich am College einschreiben und Betriebswirtschaftslehre und
Managementwissen erlangen. 13 Prozent Frauenquote konnte das College
damit bereits vorweisen. „Das wäre mit vielen Präsenzphasen
in großen Städten wie Kabul, Herat oder Kandahar sicher nicht
möglich“, erklärt sie. Außerdem müssten dann
die Studenten ihre Arbeit aufgeben. Bisher konnten sie ihre Familie ernähren
und gleichzeitig am College Managementwissen online erwerben. In den 72 Stunden des Aufenthalts der College-Mitarbeiter absolvierte
das AGMC-Team ein strammes Programm. Neben mehreren Besuchen im Ministerium
für Höhere Bildung gab es ein Treffen mit dem deutschen Botschafter
Hans Lauk, der sich über das Privatprojekt informierte und weitere
Ansprechpartner für das College nannte. Ebenso sprach die Delegation
des Colleges mit den Kanzlern zweier Bildungsinstitute für Höhere
Bildung in Kabul, um mögliche Kooperationen im Rahmen der Präsenzstudienphasen
auszuloten. Im Gegenzug wäre eine Schulung der Dozenten der afghanischen
Hochschulen denkbar. Doch das sind erste Überlegungen.
Sehr viel Zeit und Engagement nahmen die Treffen und
Workshops mit den afghanischen Mitarbeitern am College bzw. einigen
Studenten ein. „Das war uns sehr wichtig, denn unsere Studenten
haben wir in den vier Jahren des College in der Masse noch nie gesehen.
Und ich persönlich kannte nur zwei unserer afghanischen Mitarbeiter
persönlich. Der Rest ging über die modernen Kommunikationsmittel
Internet und Telefon“, erklärt Bastian Kuhl, Gründer
und Aufsichtsratsvorsitzender des AGMC. Trotz dieser positiven praktischen Erfolge brauchen die AGMC-Mitarbeiter
noch einen langen Atem, einzuwerbende finanzielle Unterstützung
und Überzeugungskraft für die moderne Lehrform des Onlinedozierens,
um die staatliche Anerkennung in Afghanistan zu erhalten.
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