Köln (eb) [21.04.2010]. Der Vorstand
des Afghan German Management College (AGMC) wird in diesen
Tagen nach
Afghanistan, reisen. In Kabul planen die Vorsitzende
der Geschäftsführung Kathrin
Hamm, der Geschäftsführer Kommunikation Thomas Brackmann und
der
Aufsichtsratsvorsitzende Bastian Kuhl, den deutschen
Botschafter, Vertreter des
Ministeriums für Höhere Bildung sowie afghanische Mitarbeiter
treffen.
Doch die monatelang geplante Reise steht unter mehreren
schlechten Sternen. Einmal
hat sich die Sicherheitslage in den letzten Wochen drastisch
verschärft. Und jetzt kommt noch die Aschewolke aus Island dazu. Der Flug nach Afghanistan
steht auf der Kippe. „Es wäre schade, wenn wir nicht fliegen könnten. Dann wären
unsere monatelangen
Vorbereitungen umsonst gewesen“, erklärt Bastian Kuhl. „Losgelöst von der Aschewolke ist diese Reise ins Kriegsgebiet
Afghanistan ein Wagnis,
aber auch ein Schritt nach vorn für das College“, erklärt
Kathrin Hamm. „Wir wollen in
Kabul mit den wichtigen Ansprechpartnern den weiteren
Weg des College vorzeichnen“,
ergänzt Kuhl, der weiß wovon er spricht. Als Soldat war er bereits
mehrmals in
Afghanistan gewesen. Trotz der Gefahr beabsichtigt das
Führungstrio des AGMC in
sozialer Mission nach Kabul aufbrechen. Denn als Sozialunternehmer
arbeiten sie
bereits seit Jahren am zivilen Aufbau Afghanistans.
„Die offiziellen Gespräche mit dem Botschafter und dem Minister für
Höhere Bildung
dienen dazu unsere staatliche Anerkennung in Afghanistan
zu erhalten“, erklärt die
Kathrin Hamm. „Zwar ist unseren Studenten die Anerkennung nicht so
wichtig, denn sie
wollen zunächst Managementwissen durch uns erwerben, doch wollen wir
ihnen auch
einen zertifizierten Abschluss geben“, fügt Hamm hinzu.
Wie wichtig Bildung ist, hat sie selbst erleben dürfen, verfügt
sie über Studienerfahrung
in mehreren Ländern: Großbritannien, China, Brasilien, Mexiko
und Russland. „Wir vom
College glauben, Bildung ist der Schlüssel, um den Menschen in Afghanistan
langfristig
eine Perspektive zu geben“, ist sie überzeugt. Die jungen Afghanen
sollen befähigt
werden eigene Geschäfte zu gründen bzw. Abteilungen in Unternehmen
zu führen.
Zusätzlich zu den offiziellen Treffen planen Bastian Kuhl, Kathrin
Hamm und Thomas
Brackmann auch ihre afghanischen Mitarbeiter in Kabul
zu sehen. Vor Ort in Kabul
sprechen die Deutschen und die Afghanen über die weitere strategische
Ausrichtung
des College. Beispielsweise geht es um die schrittweise Übergabe
von mehr
Lehrautorität nach Afghanistan. Außerdem sind auch Treffen mit
Studenten geplant.
Denn bislang unterrichteten die Deutschen per E-Learning
vom heimischen PC aus.
Tim Lehmann, Berater der UNDP (United Nations Development
Program), wird die drei
Sozialunternehmer begleiten. Er will eine Fallstudie über das AGMC
verfassen. Damit
möchte er überprüfen, ob denn das E-Learning Projekt des
College auch auf andere
Krisenregionen weltweit adaptiert werden kann.
Das Afghan German Management College wurde 2006 von Offizieren
der Bundeswehr als
privates Wiederaufbauprojekt ins Leben gerufen. Die heutigen
Dozenten sind
Absolventen der Universität Witten/Herdecke, Unternehmensberater und
ehemalige
Offiziere. Zweimal zeichnete die UNESCO das College für seine nachhaltige
Arbeit aus.
Von den nunmehr 350 Studenten (13 Prozent Frauenanteil)
werden die ersten 20 im
Herbst 2010 ihren Abschluss machen. Derzeit arbeiten
sie in ihrem Praxissemester an der
Gründung einer afghanischen Zeitung, einem deutsch-afghanischen Autounternehmen
sowie einer Textilfabrik, die ausschließlich Frauen beschäftigen
soll.
|