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Happy
Birthday, "Der Keiler" |
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Seit zehn Jahren werden die Einsatzwochen per Feldzeitung
gezählt |
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| "Der Keiler" Nr. 1: Meilenstein in der Betreuung von Soldaten im
Einsatz und Spitzenpreiserzieler bei ebay, wenn er mal auftaucht. |
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Itzehoe/Sarajevo (uz) [27.01.07]. Die Idee einer
Feldzeitung war zugegebener Maßen nicht neu.
Feldzeitungen stammen aus der Zeit großer,
freilaufender Übungen.
Sie waren damals ein Mittel, um die "Landserlage" zu publizieren
und den Soldaten in Feld und Wald die aktuellen,
realen Schlagzeilen zu übermitteln. Oft
wurde die Feldzeitung aber auch als humoristisches
Betreuungsmittel eingesetzt.
Mit dem Übergang des IFOR-Mandates in das
SFOR-Mandat und der für die Bundeswehr damit
verbunden Verlegung der Truppen von der kroatischen
Küste
in den südlichen Bereich Bosnien-Herzegowinas
begann für die Feldzeitungen ein neues
Leben. Im Januar 1997 wenige Wochen nach
dem Beginn des
Kontingents wurde in Rajlovac bei Sarajevo "Der
Keiler" aus der Taufe gehoben. Die erste
Ausgabe erschien heute vor 10 Jahren, am
27. Januar 1997. Benannt wurde sie nach dem
gleichnamigen Minenräumpanzer,
der damals als neue technische Errungenschaft
galt und der
den Kampf gegen Millionen verlegter Minen
im Land aufnehmen sollte. Mit weit mehr als
500 Ausgaben
in den zehn Jahren seines Bestehens half "Der
Keiler" manchem Soldaten die langen Wochen
des Einsatzes etwas zu verschönern. Oftmals
sollen, gerade in den frühen Kontingenten
der jungen Mission, die Soldaten bereits
vor der Tür
des Presseinformationszentrum auf die Auslieferung
der Zeitung gewartet haben. Die Auflage reichte
und reicht aber bei weitem nicht, jedem Soldaten
ein Exemplar auszuhändigen. |
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| Recherche in Sarajevo: Der erste Chefredakteur Helmut Michelis. |
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Der
Aufbau einer Zeitungsredaktion war damals Pionierarbeit. Diese Pionierarbeit
leitete Helmut Michelis, damals Oberstleutnant der Reserve. Er
schuf mit dem Keiler Maßstäbe. "Die Feldzeitung sollte
gängigen
journalistischen Qualitätskriterien standhalten und wie eine
moderne deutsche Tageszeitung aufgebaut sein", erzählt
Helmut Michelis, der seine journalistische Heimat heute bei der Rheinischen
Post hat,
im Interview mit truppen.info. Dabei war "Der Keiler" damals
mehr ein Nebenprodukt. "Versuchen sie es mal", habe damals
der Auftrag gelautet, blickt der Journalist zurück. Mit viel
Engagement machte sich der Oberstleutnant ans Werk. "Die ersten
Texte schrieb ich in einer Ecke des Wohncontainers Z 14 auf meinem
privaten Notebook, bei Stromausfall erleuchtet vom heimeligen Kerzenschein",
blickt der Gründungschefredakteur zurück. "Eine gut
gemachte Feldzeitung interessiert Oberstleutnante und Obergefreite
gleichermaßen. Diesen Spagat muss auch eine zivile Tageszeitung
immer wieder schaffen. |
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Die
Einsatzzeitung informiert über Zusammenhänge, die sonst
nicht deutlich werden können, erklärt, vermittelt, bietet
echte Lebenshilfe im Einsatz", beschreibt Michelis seine Intensionen.
Zu einer Zeitung mit einem Maskottchen und Sinnbild des Einsatz gehört natürlich
auch eine perfekte Illustration. Den Keiler mit dem gefährlichen und doch
verschmitzten Gesichtsausdruck, der seit zehn Jahren den Titel der Zeitung ziert,
zeichnete der Spitzenkarikaturist Horst Haitzinger aus München. Täglich
erfreut er mit seinen Zeichnungen Millionen von Zeitungslesern. Von einer Feldzeitung
hat der Zeichner dabei gar keine so richtige Vorstellung, gesteht er im Gespräch
mit truppen.info. Er habe auch kein besonderes Verhältnis zur Bundeswehr,
kein gutes und kein schlechtes. "Mich hat damals ein sehr freundlicher Offizier
angerufen", erinnert er sich. In seinen Karikaturen habe er sich damals
immer mehr dazu entschieden, den noch jungen Einsatz der Bundeswehr zu befürworten,
erzählt Haitzinger. Der Umstand, dass es ein Keiler sein sollte und er ein
gewisses Faible für Wildschweine hat, ist der Bundeswehr damals sicherlich
auch zu Gute gekommen. Es sind besondere Ausnahme-Situationen, wenn Horst Haitzinger
für Sonderwünsche zum Zeichenstift greift: "Ich bekomme sehr viele
Anfragen und habe für so etwas eigentlich keine Zeit", gibt er zu.
Um so außergewöhnlicher ist es für das Titelbild der Feldzeitung: "Das
war quasi damals mein Geschenk an die Bundeswehr zum Einsatz", lächelt
Horst Haitzinger. |
Bis
zur ersten Ausgabe der Feldzeitung waren aber auch infrastrukturelle
Probleme
zu lösen, die Suche leistungsstarker Partner zum Beispiel. Das begann bei
der Arbeit mit dem Fotolabor: "Mal waren die Abzüge von einer Art Sandschicht überzogen,
mal durch einen gewaltigen Blau-Stich verfärbt", erinnert sich Helmut
Michelis an die ersten Schritte für die Zeitung. Die Suche nach einer Druckerei
in der kriegszerstörten Stadt Sarajevo stellte das Team vor eine ordentliche
Recherche Aufgabe. Helmut Michelis erzählt: "Eine frühere Düsseldorfer
Zeitungskollegin, deren Mann vor dem Krieg häufig beruflich in Sarajevo
tätig war, hatte mir ein paar Bekannte in der bosnischen Medienszene benannt.
Die waren zwar inzwischen umgekommen oder geflüchtet. Doch die Namens- und
Adressenliste war eine Art Türöffner. |
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| Der Keiler von Horst Haitzinger. |
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Schließlich
konnte ich in der Ruine des Pressehauses an der ehemaligen Sniper-Alley
Kontakte knüpfen.
Vorbei an durchlöcherten Lastwagen, zerbombten Druckstraßen und Büros
mit Sperrholzwänden und Plastikplanen-Fenstern wurde ich zum Direktor von
Oko-Druck geführt und habe verhandelt. Alles sah ähnlich aus wie in
meinem früheren Verlag, doch eben völlig zerstört."
Auch die Vorstellungen der militärischen Führung gingen natürlich
an der Etablierung einer Feldzeitung nicht vorbei. Schnell verworfen wurde die
Idee einer Postille in deutsch und in französisch. Intensiv wurde die Zeitung
beobachtet und sie war ein ebenso empfindliches Pflänzchen, wie der damalige
SFOR-Einsatz. Helmut Michelis erinnert sich: "Die Angst vor Fehlern war
in der Anfangsphase SFOR riesengroß. Ein Medienprodukt stand für Transparenz,
die man in dieser Lage lieber nicht haben wollte. Ich musste mich massiv gegen
die Vorgabe plumper Goldstaub-Berichterstattung und das Verschweigen von Missständen
wehren, die Kameraden des PIZ halfen mir tapfer dabei."
Eine der Problematiken, die Feldzeitungsredakteure bis heute beschäftigen.
Auch in der Redaktion von "MAZ&More" dem jüngeren Blatt, das
die Bundeswehr im Kosovo-Kontinget herausgibt, sind die Sorgen ähnlich.
Der Name "MAZ&More" übernahm übrigens das Länderkürzel
für Mazedonien, wo die Soldaten damals zu beginn der Mission stationiert
wurden. Dazu kam die Sicherheit, dass es nicht bei dieser Stationierung bleiben
würde. So entstand der Titel "MAZ&More". Ohne Feldzeitung
müssen die Soldaten in Afghanistan auskommen. Auch hier hieß es ursprünglich
mal "versuchen sie es mal", doch der Checkpoint wurde nie in großer
Auflage gedruckt und schon bald wieder eingestellt. Ein Grund dafür ist
wohl auch die Auswahl des Personals und auch dessen Verfügbarkeit. Eine
Erfahrung, die auch Helmut Michelis beim zwanglosen beobachten der Feldzeitungen
macht: "Text ist nicht gleich Text, Foto nicht gleich Foto. Und bei „richtigen“ Zeitungen
wird lange über den Aufmacher diskutiert, die Überschrift oder die
Wirkung des Titelfotos. Zwischendurch waren erkennbar Nicht-Journalisten eingesetzt – eben
der Unterschied zwischen Süddeutscher und Schüler-Zeitung", stellt
er fest. Er weiß auch, dass es unverzichtbar ist, dass die Redaktion aus
fachlich qualifizierten Soldaten aller Dienstgradgruppen besteht: "Eine
Feldzeitung muss Redakteure quer durch alle Dienstgradgruppen haben. Sonst ist
die Akzeptanz nicht da. So läuft ein fachlich noch so qualifizierter Hauptgefreiter
im Zweifelsfall im Stab und bei Alliierten gegen Mauern und erhält keine
Informationen."
Mit dieser Maxime berichtet die Feldzeitung seit 10 Jahren über alles, was
ein Kontingentsoldat wissen muss. Und in den vergangenen zehn Jahren hat sich
am Inhaltsmix des ersten Keilers kaum etwas verändert: "Wir informierten
zum Beispiel, warum es Rationierungen beim Marketender gab oder Engpässe
in der Verpflegung, warnten vor Zollproblemen beim Päckchenversand nach
Hause, boten Mini-Sprachkurse für den Umgang mit Einheimischen und Alliierten
an und berichteten über die Fortschritte beim Aufbau des Feldlagers oder
die aktuellen Geschehnisse im Einsatzland. Von Anfang an konnten Angehörige
Grüße ausrichten", blickt Helmut Michelis zurück. |
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