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Ihr Verband hat sich auf kurzfristige Verstärkungsaufträge
in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo vorbereitet. Was unterscheidet die
Vorbereitung für Ihren Verband von der anderer Soldaten? |
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Grundsätzlich hat der einzelne Soldat über
die gleichen Fähigkeiten zu verfügen, wie andere Kontingentsoldaten
auch. Jedoch verfügt der ORF-Verband neben seinem Kern, einem Kampftruppenbataillon, über
weitere Fähigkeiten, die sogenannten „Force Multiplier“.
Also Feldjäger, Pioniere, Sanitätskräfte und Logistikkräfte.
Diese zusätzlichen Fähigkeiten bedeuten auch einen wesentlichen
qualitativen Unterschied zu anderen Einsatzbataillonen.
Ziel in der Vorbereitung ist es daher auch, die
Homogenität und das Zusammenspiel des Verbandes über dieses
erweiterte Fähigkeitsspektrum hinweg intensiv zu üben, um
jedweder Einsatzlage gerecht zu werden.
Daneben kommt das ORF-Bataillon in der Regel dann
zum Einsatz, wenn das sogenannte sichere Umfeld
bereits nachhaltig gestört
ist. Also Standardaufträge sind für das ORF-Bataillon eher
die Ausnahme. |
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Wie muss man sich Aufgaben und Alarmierung eines ORF-Verbandes
vorstellen? |
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Das
deutsche ORF-Bataillon wird auf Anforderung von KFOR bzw. EUFOR,
im Rahmen eines festgelegten und geübten Abstimmungs- und Konsultationsprozesses
innerhalb der NATO bzw. EU und nach Zustimmung durch das Bundesverteidigungsministerium
alarmiert.
Die spezielle Aufgabenstellung bei einer Alarmierung
ist schwer vorherzusagen, da weder Zeitpunkt, Ort noch Dauer eines
möglichen Einsatzes bekannt sind. Das ist auch ein weiteres Charakteristikum
von ORF. Wir müssen auf jedes mögliche Szenario vorbereitet
sein. |
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Ist eigene Einsatzerfahrung in den Regionen für
den Kommandeur von Verstärkungskräften hilfreich? |
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Eigene Einsatzerfahrung
ist immer hilfreich, jedoch nicht nur für den Kommandeur, sondern
für jeden einzelnen Soldaten. |
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Ist es für den Kontingentführer
einfacher ein Bataillon aus der Reserve zu führen, oder einen
kompletten Einsatz zu absolvieren? |
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Diese beiden Einsatzarten
kann man so direkt nicht vergleichen. Beide haben ihre eigenen Herausforderungen.
Der mögliche Einsatz im Rahmen einer Alarmierung bedeutet eine
höhere Intensität im Einsatzland, da ja nur im Notfall
alarmiert wird. Wohingegen ein kompletter Einsatz über mehrere
Monate eine höhere Belastung für die Soldaten bedeuten
kann. |
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Sie sind mit ihrem Verband „Eingreifreserve“ für
zwei Einsatzgebiete, die Sie auch beide im Rahmen der Erkundung
kennen gelernt haben. In wieweit ist die Situation in beiden Regionen
wirklich vergleichbar?
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Die beiden Einsatzgebiete kann man in ihrer Komplexität
schwerlich vergleichen. Der Balkan hat viele regionale Unterschiede in
Religionszugehörigkeit und Lebensqualität der Einwohner. Dennoch
sind insbesondere aus der Geschichte resultierende Abhängigkeiten
zu erkennen und zu berücksichtigen. |
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Sie kamen vor einigen Wochen aus Bosnien-Herzegowina
zurück.
UN-, NATO- und EU-Truppen sind dort seit mehr als 10 Jahren
präsent. Welche Aufgaben bleiben nach einer solchen Zeitspanne für
Verstärkungskräfte? |
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Die Sicherheitslage in Bosnien-Herzegowina scheint
durch die lang anhaltende Präsenz eine weitere Reduzierung der Kräfte
zu rechtfertigen. Insofern sind vor allem Kräfte von Nöten,
die den „Puls der Bevölkerung“ messen, um bevorstehende
Lageveränderungen rechtzeitig zu erkennen. Daneben sind jedoch weiterhin
Reserven vorzuhalten, die kurzfristig und effektiv auf mögliche
Bedrohungssituationen reagieren können. Die Bevölkerung muss
wissen, dass NATO und EU, trotz verminderter Stärke, weiterhin für
ein sicheres und stabiles Umfeld einsteht. |
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Im Rahmen Ihres Aufenthalts im Einsatzland wurde auch
mit einheimischen Streitkräften geübt, wie funktionierte diese
Zusammenarbeit? |
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Das Zusammenwirken von uns mit Kräften der neu
aufgestellten Streitkräfte war geplant, fand jedoch leider nicht
statt. Aus anderen Begegnungen ist festzustellen, dass die Zusammenarbeit
recht gut funktioniert. |
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Bei einer Alarmierung verbleibt Ihrem Verband mehr
als ein Tag bis zur Verlegung in die betroffene Region. Hand auf’s
Herz, reicht diese Zeit Ihrer Meinung nach aus, um ausreichend reagieren
zu können? |
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Die Zeiten, die für eine Verlegung ins Einsatzland
verbleiben, sind ausreichend. Durch eingespielte Alarmierungsketten und Übungen
weiß jeder, was er zu tun hat. Ausrüstung, Material und Fahrzeuge
sind einsatzbereit. Der Transport sowohl der Soldaten als auch der Ausrüstung
ist organisiert und sollte reibungslos funktionieren. |
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Im Jahr 2004 kam es innerhalb weniger Stunden zu Unruhen
im Kosovo. Sind Verstärkungskräfte außerhalb der Region
ihrer Meinung nach in der Lage auf solche Unruhen zu reagieren? |
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Die Situation von 2004 ist mit der heutigen Situation
nicht zu vergleichen. Als Reaktion auf die Unruhen im Jahre 2004 wurden
eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um auf einen Ausbruch an Gewalt
reagieren zu können. In diesem Zusammenhang sind insbesondere Fähigkeiten
zum frühzeitigen Erkennen bevorstehender Unruhen zu nennen. Das
Reservekonzept der NATO ist auch so ausgelegt, dass bereits heute taktische
Reserven innerhalb der Region vorhanden sind, um unmittelbar reagieren
zu können. Sollte es erforderlich werden, käme dann erst die
operative Reserve, der wir, neben einem britischen und einem italienischen
Bataillon, angehören, bzw. die strategische Reserve, ein französischer
Verband, zum Einsatz.
Also ich meine schon, dass das NATO-Reservekonzept
für den Balkan geeignet ist, um auf Unruhen angemessen reagieren
zu können.
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(Das Gespräch führte Uwe Zeitter)
[13.10.07] |
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