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Satire bis der Arzt kommt

 Auch Tränen sind erlaubt
 Familienbetreuung ist eine besondere Dienstleistung
Die Chance für ein persönliches Angespräch von Angesicht zu Angesicht ist nur eine der Möglichkeiten, die die Familienbetreuungsorganisation bereit hält.
Fotos: Zeitter
Boostedt/Prizren. (uz) [22.12.07]. Etwas regnerisch und trüb war der Novembersonntag, an dessen Nachmittag sich der Parkplatz vor dem Unteroffizierheim der Rantzau-Kaserne in Boostedt zügig füllte. Die Familienbetreuungsstelle hatte die Angehörigen der Soldatinnen und Soldaten, die derzeit im Kosovo stationiert sind, eingeladen. Es war für die meisten das Bergfest, also die Halbzeit des Kontingents. Irgendwann im Januar werden die Mütter und Väter, Ehemänner und Ehefrauen, Töchter und Söhne wieder nach Hause kommen. Vor allen, den Soldaten im Einsatzland und den Angehörigen, liegt aber nach noch eine besondere Herausforderung, die stille und besinnliche Advents- und Weihnachtszeit, die man sonst naturgemäß mit der Familie verbringt.
Hauptmann Michael Fritz gibt der Zeitung aus der Heimat den letzten Schliff.
Bei den meisten Familien, die sich an diesem Nachmittag in Boostedt treffen, wird dies in diesem Jahr anders sein. Viele der Anwesenden sind die Trennung schon gewohnt, für andere ist es das erste Mal, dass sie Angehörige von Kontingentsoldaten sind. „Und hoffentlich auch das letzte Mal“, kommentieren zwei junge Frauen spontan ihre derzeitigen Gefühle.
Weit mehr als 100 Personen sind der Einladung von Oberstabsfeldwebel Wolfgang Ellermann, dem Leiter der Familienbetreuungsstelle in Boostedt gefolgt, weit mehr, als sich ursprünglich angemeldet hatten. Einer der Gründe war sicherlich auch, dass der Oberstabsfeldwebel an diesem Nachmittag einen ganz besonderen Service bieten konnte. In einer Video-Konferenz wurde ein Brücke zwischen dem Heimatstandort und dem Feldlager Prizren geschlagen. „Hier ist alles in Boostedter Hand“, melden die Kameraden aus dem Einsatzland an Brigadegeneral Christof Munzlinger, „ihrem“ Kommandeur der Panzerbrigade 18 „Holstein“. Er hatte die Video-Konferenz eröffnet.
Die Soldaten gaben ihren Angehörigen dann einen Überblick über die Bedingungen im Einsatz. Soweit der Dienstplan in Prizren dies zu ließ, saßen dort die Angehörigen der anwesenden Familien vor der Kamera. Die Anmeldungen bei der Familienbetreuungsstelle wurden quasi als ein verfrühter Weihnachtswunschzettel behandelt. Wenn auch nicht unter vier Augen, sondern ganz öffentlich, nutzen viele Soldaten die Gelegenheit, um sich mit den Angehörigen „Auge in Auge“ zu unterhalten. Auf beiden Seiten der Webcam lagen die Emotionen dabei blank. Man merkte auch den Soldaten an, dass die Stimme nicht so fest als sonst klang und konnte trotz der Bildqualität auch feuchte Augen erkennen.
Die Gesprächsthemen waren dabei durchaus unterschiedlich: „Wo ist denn mein Kleiner“, fragte eine Soldatin in Prizren nach ihrem Sohn, während sich manch anderer bei der Lebensgefährtin lieber nach dem Zustand des Autos und der Montage der Winterreifen erkundigte. Ein Soldat, bei dem sich wohl die gute Verpflegung bemerkbar machte, wurde von seiner Mutter spontan mit dem Satz „deine fünf Kilo sieht man“ bedacht. Gegenseitig spicht man sich Mut zu: „Noch zwei Monate, dann habe ich euch wieder“, verspricht einer der Soldaten seiner Familie, die vor die Webcam getreten ist.
Nutzen der Veranstaltungen der Familienbetreuungsorganisation soll es aber vor allem auch sein, dass sich die Angehörigen der Kontingentsoldaten treffen und ihre Erfahrungen austauschen können.
Eifrig bastelten die Kinder Weihnachtsgrüße.
Um dies in Ruhe tun zu können, wird regelmäßig die Betreuung der Kinder angeboten. In Boostedt übernahm dies das Team des „EASy-Truck“, einem Spielmobil der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (EAS). Auf die Kinder wartete nämlich ebenfalls eine ganz besondere Aufgabe. Sie sollten Weihnachtsgrüße für Ihre Mütter und Väter basteln. Eingescannt sollte diese den Weg ins Kosovo antreten.
Intensiv wurde die Möglichkeit der Video-Verbindung ins Kosovo genutzt.
Regelmäßig entsteht in der Pressestelle der Boostedter Panzerbrigade 18 „Holstein“ eine Zeitung, der „Blickpunkt Heimat“. Die Verbände, die zur Brigade gehören, haben dort die Möglichkeit über das Geschehen in den Heimatstandorten zu informieren. „Da sich die Soldaten untereinander gut kennen, gibt es eine ganz besondere Bindung“, betont Hauptmann Michael Fritz, der Presseoffizier. Er stellt den „Blickpunkt Heimat“ mit seinen Soldaten zusammen. Die Weihnachtsausgabe enthält nicht nur die Beiträge aus den Standorten und aus dem Brigadestab, sondern zugleich auch die gebastelten Weihnachtsgrüße der Kinder. Rechtzeitig vor den Feiertagen geht das Werk per E-Mail in das Einsatzland. Eine weitere Brücke, die die Boostedter Soldaten von der Heimatfront zu ihren Kameraden in die Einsatzregionen schlagen.
Besonders zu den Feiertagen ist die Post aus der Heimat ein willkommener Motivationsschub für die Soldatinnen und Soldaten in den Einsatzregionen.
Foto: Redaktion MAZ&More, Kosovo
 
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