Itzehoe/Hamburg (ots).
[10.10.07] Wenige Tage vor der Abstimmung im Bundestag über
den deutschen Afghanistan-Einsatz hat der deutsche
ISAF-Stabschef
Bruno Kasdorf massiv über fehlende Unterstützung der Militärmission
geklagt und Motivationsprobleme bei den deutschen Soldaten
angedeutet. "Das Unverständnis, das zu Hause über den
Einsatz
geäußert wird, bedrückt", sagte Generalmajor
Kasdorf dem Hamburger
Magazin stern. "Auf die Dauer erwarten wir schon, dass das, was
wir
hier machen, von unserer gesamten Nation auch mitgetragen
wird."Dann
sei es ein ganzes Stück einfacher, den Auftrag innerlich anzunehmen.
"Wenn die Truppe merkt, es gibt nur halbherzig Unterstützung,
stellt
sich das natürlich anders dar", so Kasdorf weiter.
Entschieden wandte sich Kasdorf im stern gegen einen
Ausstieg
Deutschlands aus dem US-geführten Anti-Terror-Kampf in der "Operation
Enduring Freedom" (OEF) bei gleichzeitigem Verbleib des deutschen
ISAF-Kontingents. "Ich persönlich halte nichts davon,
zwischen
'gutem' ISAF-Mandat und 'bösem' OEF zu unterscheiden. Auch
ISAF kann
militärische Gewalt anwenden, wenn es notwendig ist. ISAF-Einheiten
waren zum Teil in schwere Gefechte verwickelt."
Der Zwei-Sterne-General ist Chef des Stabes im Hauptquartier
der Afghanistan-Schutztruppe ISAF in Kabul und damit
der ranghöchste
Bundeswehr-Soldat im Einsatzgebiet am Hindukusch.
Im stern klagt er
vor allem über fehlendes Personal. "Die EU hat uns nur
190
Polizei-Ausbilder versprochen, und sogar die sind
immer noch nicht
alle da." Zudem sei die Truppenstärke des Militärs
völlig
unzureichend, um das Land zu befrieden: "50000 - in einem Land,
doppelt so groß wie Deutschland! Damit richten Sie definitiv
nicht
genügend aus." Mit Blick auf die internationale Entwicklungshilfe,
die pro Kopf nur ein Zehntel dessen beträgt, was im Kosovo
ausgegeben
wurde, bemerkt Kasdorf: "Da frage ich mich schon: Tun wir genug?
Nur
militärisch kann man diese Auseinandersetzug nicht gewinnen."
Zur Sicherheitslage im Land sagte Kasdorf: "Wir sind den
Aufständischen militärisch überlegen." Die Rebellen
seien jedoch sehr
geschickt: "Dort, wo wir gerade sind, sind sie nicht. Kommen
wir,
sind sie wieder weg. Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel." Es drohe
in
den nächsten Jahren eine "Sicherheitslücke",
mittlerweile bestehe "ganz konkret" die Gefahr, dass die afghanische Bevölkerung
deshalb
zu den Taliban überlaufe. Zudem könnten "Strukturen
der
Drogenkriminalität entstehen, wie wir sie bisher nur aus Südamerika
kannten". Zu den Konsequenzen bemerkte der deutsche General: "Wenn
die Bevölkerung irgendwann gegen uns ist, ist es besser, wir
packen
unsere Sachen und gehen nach Hause. Dann haben wir
keine Chance mehr,
dieses Land in die Reihe zu bekommen. " |