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Papiertiger wird zum bissigen Jaguar |
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NATO Response Force (NRF) zeigt Zähne und Krallen |
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Brennend heißer Wüstensand:
Die Soldaten der NATO-Response Force (NRF) standen unter der unterschiedlichstenBeobachtung...
Foto: NATO HQ Shape / Bundeswehr |
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Itzehoe (uz). [22.07.06] "Wir sind NRF", es scheint,
als ob diese Aussage innerhalb der Bundeswehr alles entschuldigt.
Gefragt oder ungefragt, alles was nicht machbar ist, Termine,
die verschoben werden müssen, für das alles und
noch viel mehr gibt es eine einfache Entschuldigung: "Wir
sind oder werden oder waren NRF". Insgesamt 6600 Soldaten
hält die Bundeswehr für die schnelle Eingreiftruppe
der NATO in Bereitschaft.
Die Möglichkeit, eine schlagkräftige Streitmacht
innerhalb einer Woche an einem x-beliebigen Ort auf der
Welt einsetzen zu können, gewinnt an immer größerer
Bedeutung. Eine Besondere hat dieses Thema seit dem 11.
September 2001. Die Terroranschläge in New York haben
intensive Sicherheitsdiskussionen auf der ganzen Welt ausgelöst.
Alles schien verändert. Insbesondere in den Stäben
der NATO wurde ein Konzept für solche Kräfte
stark verfolgt. Nur ein Jahr später wurden bei einem
informellen Gipfel der Gemeinschaft in Warschau erste Beschlüsse
für die Aufstellung von Bereitschaftskräften
gefasst. Bereits im November 2002 wurde die Aufstellung
offiziell beauftragt - die NATO Response Force (NRF) war
geboren und die Streitkräfte machten sich an die Planung. |
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Bereits
zur Präsentation der NRF im Jahr 2003 standen demonstrativ die
ersten Truppenteile aus den NATO-Partnerstaaten bereit. In einem halbjährlichen
Zyklus melden die beteiligten Nationen die Kräfte, die für
die folgende NRF bereitgestellt werden. Jeweils für sechs Monate
werden die Truppen aufgestellt und sollen innerhalb von maximal 30
Tagen einsatzbereit sein, wo auch immer auf der Welt.
Die sogenannte Zertifizierungsübung "Steadfast Jaguar 2006", die
im Juni auf den Kapverdischen Inseln durchgeführt wurde, gilt als Abschluss
der Aufstellungsphase. Das Kontingent NRF 7, oder zumindest dessen Teile, zeigten
internationalen Beobachtern, wie schnell und zuverlässig die NATO ihre Krallen
ausfahren kann. Das Szenario: Terroristen sollen aufgespürt und überwältigt
werden. Soldaten von Marine und Luftwaffe und Landstreitkräften verwandelten
die Urlaubsidylle für einige Tage in ein "Krisengebiet". Kampfjets
und Landeboote statt Liegestühlen und Sonneschirmen prägten das Bild
auf den Kapverdischen Inseln. Am Ende konnte man sich gegenseitig auf die Schultern
klopfen: Die NRF ist einsatzbereit. Die besondere Herausforderung war, neben
den extremen klimatischen Bedingungen, die Verlegung von Material und Personal
vor die afrikanische Westküste. Einige Mängel gilt es hier wohl auch
noch zu beseitigen. Die Distanz, machte aber nicht nur den Landstreitkräften,
sondern beispielsweise auch dem ständigen Minenabwehrverband der NATO, also
den Marinekräften zu schaffen. Die Fahrt in das Übungsgebiet sei für
die Besatzungen der Boote eine "seemännische Herausforderung",
ist aus Marinekreisen zu hören.
In wieweit das Bild, das sich bei "Steadfast Jaguar" bot, auch wirklich
repräsentativ ist, bleibt offen, denn nur gut ein Viertel der Soldaten war
tatsächlich an der Übung beteiligt. Ein Vorteil, nicht nur für
den Aufbau der Infrastruktur.
Von Beginn waren Kräfte der Bundeswehr in die NRF-Kräfte eingebunden.
Zuerst wurden Kräfte von Luftwaffe und Marine aufgestellt. Die Marine allerdings
hatte bereits längst vor 2001 in kleinerem Umfang internationale Bereitschaftsverbände
aufgestellt. Zahlreiche NRF-Maritim Standing Groups liefen 2005 bereits den Marinestützpunkt
in Kiel an - vier gibt es insgesamt. |
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Die Standing
NATO Response Force Maritime Group 1 öffnete beim Besuch im
Kieler Marinestützpunkt im November 2005 ihre Schiffe für die
Besucher.
Foto: Zeitter |
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Im
Mai diesen Jahres haben Marine- und Luftwaffenkräfte
auf und über der Nordsee die internationale Zusammenarbeit
innerhalb des nordatlantischen
Bündnisses intensiv geübt.
Deutsche Kommandeure befehligen inzwischen routiniert NATO-Verbände. Egal,
ob es General Gerhard Back als Befehlshaber der NRF 7, Brigadegeneral Walter
Spindler, der seine Deutsch-Französische Brigade auf die Kapverden führte
oder Fregattenkapitän Andreas Stricker, der seit März den internationalen
Minenabwehrverband befehligt, sind - in den internationalen Befehlsstrukturen
tragen Deutsche Kommandeure zunehmende Verantwortung auf allen Ebenen. Die
Zusammenarbeit zwischen den Einheiten aus unterschiedlichsten Nationen, so
wird stets betont,
funktioniere hervorragend.
Und für weitere Routine wird gesorgt werden, denn bereits ab Januar 2007
hat die Bundeswehr neben den 6600 Soldaten für die NRF weitere 1300 Männer
und Frauen für die Einsatzkräfte der Europäischen Union bereitzuhalten.
Dennoch, das internationale Engagement zeigt den Armeen auch deutlichen Handlungsbedarf
in der Angleichung von Verfahrensweisen und Befehlsstrukturen. Bei der Bundeswehr
hatten diese Erfahrungen und die zunehmende Zahl von Soldaten, die für internationale
Einsätze bereitgehalten werden müssen, entscheidenden Einfluss als
Grundlage auf die aktuellen Transformationsbemühungen.
Bereits im April, so berichtet die Nachrichtenagentur dpa, gab Verteidigungsminister
Jung zu, er glaube, dass ein Großteil der Bevölkerung noch nicht darauf
eingestellt sei, was die Beteiligung an der NATO Response Force an Einsatzszenarien
für die Bundeswehr mit sich bringen kann. Eine Verlegung von Einsatzkräften
innerhalb von fünf Tagen in ein Einsatzgebiet erfordert auch politisch ein
Höchstmaß an Entschlussfreudigkeit, besonders im Interesse der betroffenen
Soldaten. Diskussionen um die Einsätze, wie bei der jüngsten Mission
im Kongo sind nicht mehr möglich, für die Soldaten können sie
sogar gefährlich sein.
Über einen Einsatz der NRF entscheidet der NATO-Rat. Der Beschluss der Mitglieder
der Allianz muss dabei einstimmig erfolgen. Die für die jeweilige Mission
notwendigen Kräfte werden dann von den Befehlshabern des Bündnisses
aus den Soldaten, die die Partnernationen für den entsprechenden Zyklus
gemeldet haben, ausgewählt. Die nationalen Regierungen müssen dann
dem Einsatz zustimmen. In Deutschland ist dieses Recht, des sogenannten "opting
out" dem Bundestag vorbehalten. Allerdings eine eher theoretische Möglichkeit,
schließlich würde man einem einstimmigen Beschluss des NATO-Rates
in Frage stellen. |
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