| Im Zivilleben ist der 36jährige
Familienvater als Beamter im
Kreiswehrersatzamt zuständig für den
Berufsfortbildungsdienst der Bundeswehr.
Anzug und Krawatte gegen Uniform samt
Waffe zu tauschen sei für ihn zwar eine
gewisse Umstellung gewesen, so S., aber
kein Problem. Als verkleideten
Zivilisten sieht er sich im Kosovo
nicht. Er mache von seinem Sonderstatus
als wehrübender Beamter keinen Gebrauch,
sondern gebe sich Mühe wie ein
„richtiger“ Soldat aufzutreten, sei es
beim Antreten, beim Dienstsport oder
auch nur mit Blick auf den korrekten
Sitz der Uniform. Die sei im übrigen vor
allem für seine mehreren hundert
einheimischen Mitarbeiter äußerst
wichtig. „Außerdem sind wir auf diese
Weise in die Kameradschaft eingebunden
und werden so auch von der Truppe
akzeptiert.“
Immerhin verwaltet Birger S. auch das Geld. Dazu zählt neben der Bearbeitung
von angerichteten „Flurschäden“ der
Soldaten vor allem der sogenannte AVZ,
der Auslandsverwendungszuschlag in Höhe
von rund 66 Euro, den die Soldaten pro
Tag zusätzlich erhalten. „Das hat viel
mit Papier zu tun – aber auch viel mit
Praxis.“ Die Verwalter hielten ständig
den Kontakt zu den Soldaten, um
möglichst „truppengerechte Lösungen“ zu
finden. „Die Papierlage beschränkt sich
hier deshalb auf ein Minimum“, so der
studierte Jurist.
Seine Familie habe mit seiner Entscheidung für mehr als ein viertel
Jahr am Stück ins Ausland zu gehen
zunächst „gekämpft“, zumal er erst vor
eineinhalb Jahren schon einmal im Kosovo
war. „Für meine Frau bedeutet das
erhebliche Mehraufgaben, bei zwei
kleinen Kindern muss sie da ihre Frau
stehen.“ Ohne die Zustimmung der Familie
wäre er denn auch nicht freiwillig
gegangen, so der Greifswalder.
Oberfeldwebel Gordon aus Karnin und sein Hauptgefreiter Jens aus Bergen sind
derweil auf Fußstreife in Prizren
unterwegs. Auftrag: beobachten. Viel
aufregendes gibt es sechs Jahre nach dem
Krieg allerdings nicht mehr zu sehen. Ab
und an eine handgreifliche Streiterei,
gelegentlich werden auch noch einmal bei
Autokontrollen im kleineren Stil Waffen
gefunden. Ein „Job wie jeder andere“ sei
das dennoch nicht, so der Gruppenführer.
Allein die zeitliche Belastung gibt ihm
recht: 48 Stunden sind sie in der Stadt
unterwegs, dann 48 Stunden Bereitschaft
samt Aus- und Weiterbildung,
anschließend 48 Stunden Kfz-Patrouille,
gefolgt von 48 Stunden Bereitschaft –
und dann das Ganze wieder von vorn,
sieben Tage die Woche, vier Monate am
Stück ohne Urlaub.
Natürlich gibt es zwischendurch auch ein paar Stunden Freizeit, „und wenn dann
ausgerechnet die Rolle Toilettenpapier
fehlt, dann ist der Ärger groß“, weiß
Chefverwalter Birger S. um seine
Verantwortung – und schuld will er dann
lieber nicht sein …
(Lars Bessel) |