truppen.info: Soldaten schmunzeln über mich: Hamburger Reservist als uniformierter 'Umweltschützer' im Kosovo
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 "Soldaten schmunzeln über mich"
 Hamburger Reservist als uniformierter "Umweltschützer" im Kosovo

Mülltrennung im Kosovo: "Die Soldaten schmunzeln über mich"
Prizren/Hamburg [12.03.06]. An sich soll die Bundeswehr im Kosovo den Frieden sichern, der Hamburger Hans-Georg P. dagegen hat ganz andere Probleme: der Reservist kämpft für vier Monate als „Umweltschützer“ gegen den Müll. Während der Kapitänleutnant sehr ernsthaft versucht, den deutschen Gesetzen auch im Auslandseinsatz Geltung zu verschaffen, muss er zugeben, dass „ein Haufen der Soldaten über mich schmunzelt“.
Hans-Georg P. gehört zu den rund 100 Verwaltungsbeamten der Bundeswehr, die im viermonatigen Turnus vollkommen freiwillig in die Einsatzländer wie das Kosovo geschickt werden. Im Zivilleben ist P., dessen vollständiger Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden darf, technischer Regierungsamtmann beim Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung. Für den 57jährigen ist dies bereits der zweite Auslandseinsatz: „Ich wollte wissen, ob ich das noch kann – und ich habe es ohne weiteres geschafft“, sagt er selbstsicher. Auch mit Uniform, Waffe und Offiziersdienstgrad habe er keine Probleme, „auch wenn ich im Endeffekt ein verkleideter Beamter bin“. Aus diesem Grund führt er auch im militärischen Sinn keine Soldaten, „ich fühle mich selbst hier im Feldlager in Prizren als Zivilist“.
Auch seine „Untergebenen“ sind Zivilisten, kosovarische Arbeiter, die den lieben langen Tag den deutschen Müll sortieren: Glas, Metall, Plastik, Papier, Kompost, Restmüll. Für die Einheimischen eine vollkommen neue Erfahrung, üblicherweise landet der eigene Müll schlicht dort, wo man ihn fallen lässt. Der Hamburger „Umweltschützer“ hofft allerdings auf eine Art Vorbildfunktion. Offenbar zu recht: im südkosovarischen Prizren mit geschätzten 120.000 Einwohnern  gibt es mittlerweile so etwas wie eine Müllabfuhr und sogar eine Mülldeponie nach EU-Standard.
Während die Soldaten der Einsatzbataillone Streife laufen oder an mobilen Checkpoints Autos auf Waffen filzen, ist Kapitän P. auf einer anderen Fährte. Immerhin zahlt die Bundeswehr den zivilen Entsorgungsfirmen viel Geld für ihre Dienste. „Ich versuche jetzt herauszufinden, ob der sortierte Müll auch tatsächlich vertragsgemäß der Wiederverwertung zugeführt wird.“ Skepsis ist angebracht, ein Fall ist bereits aktenkundig, bei dem die beauftragte Firma den Müll kurzerhand in die Landschaft gekippt hat.
Abgesehen von der Mentalität gibt es im Kosovo allerdings auch schlicht keine Möglichkeit zur Wiederverwertung – was bleibt ist der Müllexport. Doch was etwa im angrenzenden Mazedonien oder gar in Albanien mit den deutschen Abfällen passiert, ist ebenso fraglich. Einzig beim Altmetall gibt es Hoffnung: aufgrund der großen Nachfrage verkaufen die Kosovaren im großen Stil ihren Schrott nach China.
Auch die Aufgabe von Hans-Georg P. macht deutlich, dass der Bundeswehreinsatz im Kosovo zusehends zur Normalität wird. Das deutsche Feldlager gleicht denn auch mehr und mehr einer deutschen Kaserne, wenn nicht gar einer kleinen deutschen Ortschaft: mit Restaurants, Kirche, Krankenhaus, Tankstelle, Post, Wäscherei, Fitnesscenter – und Müllumschlagstation. „Einwohnerzahl“: knapp 2.500 – allerdings längst nicht nur Deutsche.Insgesamt gehören der sogenannten multinationalen Brigade Süd-West 13 Nationen an.Deutschland stellt für den gesamten KFOR-Einsatz derzeit rund 2.700 Soldaten, von denen die meisten zur Zeit aus Norddeutschland kommen. Die Sicherheitslage im Kosovo ist nach offizieller Lesart „sicher aber nicht stabil“. Ein Umstand, den auch die Familie von Hans-Georg P. anfangs umtrieb. „Aber jetzt sind alle beruhigt“, so der Hamburger, „mindestens ein Mal in der Woche telefonieren wir und ich sage immer, ich fühle mich hier absolut sicher.“
Auch wenn sich alle Soldaten darüber im Klaren sind, dass dieser Einsatz noch Jahre dauern wird, steht für P. fest, dass er das letzte Mal im Kosovo war. Künftig wird nur noch in Hamburg der eigene Müll sortiert.
(Lars Bessel)

Kosovarischer Müllmann
Fotos: Bessel



truppen.info vor Ort:
Aus dem Kosovo berichtet:
Lars Bessel,
Chefredakteur
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