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 „Arbeitssieg“ im Kongo
 Die angeblich so zahnlose EU beweist sich zum ersten Mal
Berlin/Kinshasa [05.11.2006]. Wie definiert man Erfolg in der Sicherheitspolitik? Ein bisschen ist es wie im Fußball: Es kommt nicht auf Schönheit an, nicht auf Eleganz oder Popularität:
Allein das Ergebnis zählt.
So gesehen ist der Einsatz der Bundeswehr bei der Absicherung der Wahlen im Kongo auf dem besten Weg zum Erfolg. Zwei Wahlgänge sind überstanden, die aufflammende Gewalt nach dem ersten Durchgang wurde schnell erstickt. Alles läuft nach Plan. Die afrikanische Apokalypse – von vielen selbsternannten Kongo-Kennern zu Beginn des europäischen Mission EUFOR RD CONGO vorher gesagt – findet nicht statt.
Woran liegt’s? Es sind wohl mindestens vier wesentliche Gründe:

Der Autor
Knut Peters ist freier Journalist und Oberstleutnant der Reserve.
Erstens:
Die Menschen im Kongo sind kriegsmüde. Seit Jahrzehnten wird „Im Herzen der Finsternis“, wie der Schriftsteller Joseph Conrad das Land schon vor über hundert Jahren nannte, um Gold, Diamanten, Coltan Edelholz und andere Reichtümer brutal gekämpft. Wie die Hyänen sind kleine und große Nachbarn über die Ressourcen hergefallen. Sie bekriegten sich dabei auf dem Boden des Kongo oft gegenseitig. Mehrere Millionen Tote – niemand kennt exakte Zahlen – sind das Ergebnis. Inzwischen aber haben die Menschen im Kongo erkannt, dass Freiheit und Frieden die wertvollsten Schätze sind. Danach sehnen sie sich.

Zweitens:
Mit Geld lässt sich in Afrika alles regeln. Unter dem Einfluss der Europäer gelingt es offenbar, den mächtigen Männern im Kongo die wichtigste Spielregel der Demokratie zu „verkaufen“: Die Minderheit akzeptiert das Votum der Mehrheit. Im Klartext bedeutet das: Auch der Verlierer der Wahl und seine engsten Verbündeten werden profitieren, wenn sie nach der Stimmauszählung ruhig bleiben. Neue Gewalt wird sich also nicht auszahlen.

Drittens:
Die Soldaten aus Europa haben sich durchgesetzt. Als der amtierende Präsident Joseph Kabila nach dem ersten Durchgang der Präsidentenwahl feststellte, dass es nicht für die absolute Mehrheit gereicht hat, ließ er das Haus seines Gegners Bemba beschießen. Die EUFOR-Truppe, inklusive Bundeswehr, griff ein und machte dem Spuk ein schnelles Ende. Seit diesem Tag glauben die Menschen in Kinshasa, dass Europäer unparteiisch bleiben, auch wenn es heiß wird. Eine erneute Feuerprobe, womöglich verbunden mit Gefechten gegen die Europäer, will niemand mehr riskieren.

Viertens:
In den Medien wollen auch Afrikas Politiker gern gut aussehen. Die massive Präsenz von Journalisten hat dazu geführt, dass alle Welt wieder an die Machenschaften der kongolesischen Warlords erinnert wurde. Wer aber international akzeptiert sein will, kann es sich nicht leisten, als Anführer von Kindersoldaten da zu stehen. Die Mörder von gestern müssen also beinah zwangsläufig zahm werden und handeln deshalb nach dem Prinzip: „Freundlich lächeln, ruhig bleiben. Wer zuerst schießt, hat verloren.“

Die europäische Mission EUFOR RD CONGO ist damit schon jetzt weit mehr, als nur „Symbolpolitik“. Die angeblich so zahnlose EU beweist sich zum ersten Mal außerhalb des eigenen Kontinent als konfliktverhütende Macht. Wenn die EUFOR-Truppe mit Ablauf ihres Mandats am 30.November abzieht, wird sie keinen Triumphzug erleben – aber ihren Auftrag erfüllt haben.
Es ist ein bisschen wie im Fußball. Am Ende wird’s ein „Arbeitssieg“ gewesen sein. Nicht schön anzusehen – Hauptsache erfolgreich. Und im Geschichtsbuch werden zwei Gewinner stehen: Der „Trainer“ (Verteidigungsminister Franz Josef Jung) und sein „Kapitän“ (EUFOR-Befehlshaber Generalleutnant Karlheinz Viereck). Jung wird der erste Verteidigungsminister sein, der einen Bundeswehr-Einsatz nicht nur beginnt, sondern auch selbst zum guten Ende bringt. Und Viereck hat sich als Chef für größere internationale Teams empfohlen.
Allzeit bereit: Kindersoldaten im Kongo - Die EU-Truppen behielten bisher die Kontrolle im Kongo.
Foto: Knut Peters
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