„Die
Diskussionen über die Sinnhaftigkeit des Einsatzes sind an
den Soldaten nicht spurlos vorbeigegangen. In der hohen
Führung herrscht zwar der regierungsamtlich zu verbreitende Optimismus vor.
Aber bei den Soldaten selbst gibt es große Zweifel. Mehrere haben mir übereinstimmend
gesagt: Wir sind nicht in der Lage, unseren Familien glaubhaft zu erklären,
dass wir hier einen sinnvollen Auftrag erfüllen. Der Regierung ist es nicht
gelungen, den eigenen Soldaten überzeugend zu vermitteln, dass sie dort
einen wichtigen Beitrag zur Demokratisierung des Kongo zu leisten haben“,
so Gertz weiter.
Zudem reden alle, inklusive des Wehrbeauftragten, von der schlechten Ausrüstung
der Bundeswehr, nur Verteidigungsminister Jung und das Einsatzführungskommando
winken ab und können keinerlei Mängel feststellen. All diese widersprüchlichen
Informationen zeigen, dass so richtig scheinbar keiner weiß, was in diesem
riesigen Land vorgeht.
Die Wahl ist der erste Höhepunkt eines langen Weges und laut des amtierenden
Präsidenten Joseph Kabila der wichtigste Tag in der Geschichte des Landes.
In 50.000 Wahllokalen hatten die knapp 26 Millionen Wahlberechtigten die Möglichkeit
ihr neues Parlament und ihren neuen Präsidenten zu wählen. Beinahe
10.000 Bewerber stellten sich zur Wahl der 500 Parlamentssitze. Bewerber die
zum größten Teil noch nie etwas mit Politik zu tun hatten. Sie waren
auf riesigen Wahlzetteln aufgeführt mit Bild und Parteizeichen, da ein Großteil
der Bevölkerung weder lesen, noch schreiben kann.
Sie wählen auch den Präsidenten aus den 33 Kandidaten. Dies ist eine
stolze Anzahl, wenn man Medienberichten glaubt, dass die Anmeldegebühr 50.000
Dollar betrug. Unter ihnen sind auch einige Vertreter der früheren Diktatur
Mobutu Sese Sekos, die derzeit noch Vizepräsidenten sind. Zustände,
die nicht mit den uns bekannten westlichen Demokratien verglichen werden können.
Demokratie ist nicht gleich Demokratie.
Ein Land so groß wie Westeuropa mit einer großen Anzahl an Bodenschätzen
befindet sich inmitten eines Umbruchs, eines Neuaufbaus. Dass dies nicht von
heute auf morgen zu schaffen ist, leuchtet jedem ein, aber ist die Aufgabe der
EUFOR oder speziell der Bundeswehr dann wirklich nach vier Monaten abgeschlossen?
Verteidigungsminister Jung betont, dass es nur darum gehe, die Wahlen zu sichern
und dass alle Soldaten an Weihnachten wieder zu Hause seien. Viele halten diese
Annahme für sehr optimistisch. „Es gibt eine gewisse Hoffnung, dass
Regierung und Parlament bis zum 1. Dezember stehen - also dann, wenn die Europäer
abziehen wollen“, sagte der deutsche UN-Direktor Albrecht Conze der Berliner
Zeitung. „Aber: Einfach wird das nicht, es gibt viele Fragezeichen.“ Das
Wahlergebnis wird voraussichtlich in drei Wochen bekannt gegeben. Dann wissen
wir (vielleicht) mehr.
(Marco Pfohl)
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