truppen.info: Einsätze: Kongo
jüngste Beiträge
Aus den Einsätzen
Sicherheitspolitik
Wir suchen Ihre Fotos
Linkliste
Link eintragen
Laufbahnportraits
Der Weg zum Offizier
Der Weg zum Unteroffizier
Dienstgradabzeichen
truppen.info-Quiz
Spiele
Downloads
Buchtipps
Für Webmaster
 
MCKimme


 Auftrag: ein freies und demokratisches Kongo
 Bundeswehr soll mit 500 Mann Wahlen sichern
New York/Luxemburg/Berlin [27.04.2006]. Im Kongo soll Geschichte geschrieben werden: vermutlich im Juni werden in dem afrikanischen Staat die ersten Wahlen seit der Unabhängigkeit von Belgien im Jahr 1960 abgehalten werden. Das Ziel: ein freies und demokratisches Kongo. Doch von halbwegs normalen Verhältnissen oder gar Frieden ist man nach wie vor weit entfernt, in dem seit 1996 tobenden Bürgerkrieg starben bislang fast vier Millionen Menschen. Um die ersten Wahlen dennoch abhalten zu können, sollen die knapp 17.000 UN-Blauhelmsoldaten jetzt um 1.500 EU-Soldaten aufgestockt werden, davon mindestens 500 deutsche. Nach Verabschiedung einer entsprechenden Resolution im Weltsicherheitsrat hat die Europäische Union den Militäreinsatz heute in Luxemburg offiziell beschlossen. Die Zustimmung von Bundesregierung und Bundestag gilt als sicher – doch Vorbehalte gibt es viele: der Einsatz gilt als gefährlich.
Aufbruch in einen ungewissen Einsatz: Soldaten im Transportraum einer Transall.
Archiv-Bild: Zeitter
Auch wenn das Parlament vermutlich erst in zwei Wochen seine Zustimmung gibt, laufen die Vorbereitungen auf militärischer Seite bereits seit Monaten auf Hochtouren. Klar scheint mittlerweile soviel: geführt wird diese schwierige Mission durch ein europäisches Hauptquartier mit Sitz in Potsdam unter dem Oberbefehl des deutschen Generals Karlheinz Viereck. Den Kern der deutschen Einsatztruppe im Kongo selbst wird die Division Spezielle Operationen (DSO) bilden, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber truppen.info. Auftrag: Abschreckung und notfalls Evakuierung. Die Anzahl der letztendlich beteiligten Bundeswehrsoldaten wird nach wie vor nur vage formuliert. 500 Mann sollen unter europäischen Befehl gestellt werden, wie groß das „nationale Unterstützungselement“ ausfallen wird, ist noch offen. Allein auf dem avisierten Einsatzgruppenversorger der Marine befinden sich rund 200 Soldaten – eine Kontingentgröße von insgesamt 1.000 Mann ist also durchaus realistisch.
Vor Ort in Afrika haben die Franzosen das Sagen. Sie stellen die Kommandozentrale in der Hauptstadt Kinshasa und den größten Anteil des Kontingentes. Anders als die deutschen Soldaten, die sich ausschließlich in der weitgehend sicheren Hauptstadt aufhalten sollen, werden die Franzosen den weitaus gefährlicheren Job im riesigen Landesinneren übernehmen. Hinzu kommen sollen Soldaten anderer europäischer Nationen, die für die Flughafensicherung zuständig sind.
Die Bedenken, sei es in der Politik oder auch beim Bundeswehrverband, sind aus unterschiedlichsten Gründen nach wie vor groß. Immerhin hat die Bundeswehr noch wenig Erfahrung in Afrika, gibt es im Kongo schätzungsweise 30.000 „Kindersoldaten“ und die Lageentwicklung ist schlicht schwer kalkulierbar. Im Verteidigungsministerium gibt man sich gleichwohl selbstsicher: „Wenn die Bundeswehr dazu nicht in der Lage wäre, hätten wir uns nicht angeboten.“ Der Einsatz sei mit vier Monaten zeitlich klar begrenzt, die notwendigen Soldaten stünden samt hinreichender Ausbildung und Ausrüstung zur Verfügung, heißt es. Das Thema „Kindersoldaten“ sei für die Deutschen keines, da es in der Hauptstadt keine gebe. Die Gefährdungslage sei etwa mit der in Afghanistan vergleichbar, so ein Sprecher, „wir stürzen uns da nicht blind in irgendein Abenteuer“. Zwar müsse man die Entwicklung vor Ort abwarten und gegebenenfalls auch mit Verstärkungskräften reagieren, aber man gehe nicht von vornherein von einem Kampfeinsatz aus. Das einer daraus wird, könne man gleichwohl nicht ausschließen.
Der Kongo ist aufgrund seiner Rohstoffe bereits seit rund 150 Jahren im Fokus der Europäer, im Ersten Weltkrieg etwa war ein deutsches Kriegsziel, sich Belgisch-Kongo anzueignen. Der Kongo gehört zu den größten Staaten Afrikas: etwa sechseinhalb mal so groß wie Deutschland liegt er beiderseits des Äquators mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von 2.100 und einer Ost-West-Ausdehnung von 1.900 Kilometern. Mit seinen zahlreichen Bodenschätzen (Diamanten, Kupfer, Kobalt, Coltan, Gold, Eisenerz, Silber, Mangan, Uran, Wolfram, Zink, Zinn, Erdöl, Erdgas, Kohle) ist die Republik eines der rohstoffreichsten Länder der Erde.
Keine alltäglichen Aufgaben erwarten die Bundeswehr. Archiv-Bild: Zeitter
Im Bürgerkrieg geht es deshalb schlicht um Geld und Macht. Die Lage hat sich zwar verbessert, so der Deutsche Albrecht Conze, politischer Direktor der Uno-Friedensmission im Kongo, ist aber immer noch katastrophal. In dem 50-Millionen-Einwohner-Staat, beinahe so groß wie Europa, sterben nach UN-Angaben jeden Tag 1.200 Menschen an den Folgen des Krieges. Um das Land weiter zu stabilisieren, seien die Wahlen und deren Schutz durch die EU-Truppe nötig. „Wenn wir es dem Chaos überlassen, werden die Menschen über Marokko, Gibraltar nach Stuttgart drängen", so Conze.
Wahlbeobachter zu schützen hört sich zwar recht einfach an, ist es aber nicht. Vor allem bei denjenigen nicht, die sich in die entlegenen Gebiete vorwagen. Eine Strecke vergleichbar der von Paris nach Moskau ist nicht in einer halben Stunde bewältigt. Conze hat bereits eine konkrete Vorstellung: „Hier muss eine Herkules (militärisches Transportflugzeug, ähnlich der Transall, verfügt aber über vier Triebwerke – Anm. d. Red.) bereitstehen mit einem Helikopter drin.“
Schweres Gerät für den Einsatz im Kongo: Die gefragten Transportmaschinen vom Typ "Herkules" werden bei der Bundeswehr aber nicht eingesetzt. Archiv-Bild: Zeitter
Richtig gefährlich könnte es allerdings nach der Wahl werden, wenn nämlich einer der beiden Kandidaten seine Niederlage nicht so recht akzeptieren möchte. Im Zweifelsfall endet das nicht so lächerlich-glimpflich wie in Italien, sondern in massiver Gewalt. Staatsoberhaupt Joseph Kabila verfügt über eine 15.000 Mann starke Präsidentengarde, Konkurrent Jean-Pierre Bemba hat rund 5.000 Mann (die unter Kannibalismus-Verdacht stehen) vor der Hauptstadt zusammengezogen.
Und die Bundeswehr mittendrin. Dass Deutschland noch einen Rückzieher macht ist unwahrscheinlich, zu groß wäre der politische Gesichtsverlust. Hat doch der stellvertretende deutsche UN-Botschafter Wolfgang Trautwein in New York diese Woche bereits von einem „historischen“ Schritt gesprochen. Das Engagement der „Nicht-Kolonialmacht“ Deutschland sei bei den Vereinten Nationen sehr begrüßt worden, sagte er. Ob man das in einem halben Jahr immer noch so sieht, wird entscheidend vom Erfolg gerade der deutschen Mission abhängen.
(Lars Bessel)
Basis für die deutschen Soldaten könnte der Einsatzgruppenversorger "Frankfurt am Main" sein. Bild: Zeitter
 "Die Einsatzbereitschaft aller Truppenteile erhöhen."
 Kommentar: "Jenseits von Afrika"
 Länderinformation "Kongo"
 
Anzeigen
Ihre Werbung hier?
Anzeigen
Der
   Diese Seite empfehlen      Sitemap    Archiv    Impressum    Kontakt 
(c) 2005 by www.truppen.info