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Opernklänge am Hindukusch |
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Eutiner Festspiel-Ensemble an der Grenze der Kulturen |
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| Das Gastspiel-Ensemble
beim Auftritt in Aghanistan (v.l.): Intendant Jörg Fallheier (in
einer geliehenen Uniform), Pianistin Bettina Rohrbeck, Sopranistin
Cornelia Zach, Schauspielerin und Sängerin Stephanie Theiß und
Tenor Thomas Kiessling. Fotos: Susanne Peyronnet |
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Eutin/Kunduz (uz) [10.06.06]. Der Kommandeur des in Eutin stationierten
Panzeraufklärungsbataillon 6, Oberstleutnant Stephan Leistenschneider,
ist ein großer Freund der Eutiner Festspiele. Regelmäßig
ist er Gast bei den Aufführungen auf der Bühne unter
freiem Himmel. Ein guter Kontakt hat sich inzwischen
zu Jörg
Fallheier, dem Intendanten der Festspiele entwickelt. „Wir
haben uns vor einigen Monaten abends getroffen und der
Kommandeur hat mir erzählt, dass er mit seinen Männern
in den Einsatz nach Afghanistan gehe“, blickt Jörg
Fallheier zurück.
Die Beiden unterhielten sich über die Freizeitmöglichkeiten
für die Soldaten dort. Die Beiden trennten sich mit der Idee,
das Festspiel-Ensemble zu einem Auftritt in das Einsatzgebiet
der Eutiner Soldaten zu holen.
Im Februar stand der „Einsatz“ eines Ensembles aus
Eutin fest. Der Intendant machte sich an die Vorbereitungsarbeiten
und die Absprachen mit dem Verteidigungsministerium. Doch nicht
nur die Formalitäten forderten das zeitliche Engagement des
Intendanten, eigens für die beiden Konzerte in Afghanistan
engagierte er ein Ensemble. Auftritte von Popstars in den Einsatzgebieten
gab es schon viele, „ein Opern-Ensemble bei einem Bundeswehreinsatz
gab es noch nie“, betont Fallheier. „Ich habe, glaube
ich, ziemlich große Augen gemacht, als ich gefragt wurde,
ob ich mit nach Afghanistan fliege“, erzählt die Sopranistin
Cornelia Zach. Mit reichlich Neugierde auf die Situation und die
Lebensbedingungen sagte sie trotz aller Bedenken zu. |
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| Aufmerksame
Zuhörer, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. |
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Auftritte
in anderen Kulturen sind für die meisten Mitglieder des Ensembles
nichts neues: Jörg Fallheier hatte Gastspiele in Asien, Tenor
Thomas Kiessling hat die Sinai-Halbinsel bereist und Pianistin Bettina
Rohrbek gastierte in Südamerika. „Ich weiß, dass das
kein ‚netter Ausflug‘ sein wird“, erzählt sie
und ergänzt: „Ich möchte einfach sehen, wie es tatsächlich
dort ist!“ Mit zum Ensemble gehörte auch Stephanie Theiß.
Erfahrungen mit der Bundeswehr hat vorher noch niemand aus der Besetzung gemacht.
Die Gedanken an ein uniformiertes Publikum schien doch ein wenig Unbehagen zu
verursachen. Vorbereitet wurden zwei Konzerte, eines etwas moderner mit Melodien
aus Musicals und eines klassischer für Diplomaten aus Afghanistan sowie
der internationalen Staatengemeinschaft und vor Mitgliedern internationaler Hilfsorganisationen. |
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Begonnen
hat das „Abenteuer“ für die Musiker und ihre beiden
Techniker Jörg Schütt und Karol Cybolla in der letzten
Mai Woche. In
den Nachrichten setzten sich an diesen Tagen Meldungen über Zwischenfälle
in Kabul durch. Das Team des NDR, das das Ensemble begleiten sollte, sagte aus
diesem Grund ab. Auch die Künstler ließen sich die bevorstehende „Tournee“ nochmals
durch den Kopf gehen. Am Ende dachten wohl alle wie Thomas Kiessling, der sich
schon im Vorfeld sicher war, dass die Bundeswehr die Reise nur ermöglicht,
wenn die Sicherheitslage kalkulierbar ist. |
Erlebt
haben die Vertreter der Festspiele auch die Mühen des Fluges,
die
fast jeder ISAF-Kontingentsoldat kennt: Ein Sandsturm sorgte dafür, dass
die Musiker nicht termingerecht im usbekischen Termez „umsteigen“ konnten.
Auch der Weiterflug mit einer Transall war für Musiker eher abenteuerlich.
Die Einweisung des Bordpersonals, dass man beim Flug über Afghanistan aus
Sicherheitsgründen angeschnallt bleiben sollte, sorgte für reichlich
Respekt. Sie habe sich bei diesem Flug die Frage gestellt, warum sie das mache
erzählt Cornelia Zach und gesteht, dass sie zeitweise „richtig Angst
um mein Leben“ hatte. |
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| Abenteuer für
das Ensemble: „Wölfe“ werden von einem einheimischen
Fährmann über den Kundus-Fluss gebracht. |
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Wegen
der Verspätung wurde der Zeitplan enger, dennoch ließen es
sich die Musiker nicht nehmen, sich intensiv mit der Region und den Aufgaben
der Soldaten
vor Ort auseinanderzusetzen. „Es ist schon komisch, wenn man mit Helm und
schußsicherer Weste, eskortiert von bewaffneten Soldaten“, durch
die Straßen geht, erzählt Thomas Kiessling. Er ist beeindruckt vom
Auftreten der deutschen Soldaten in der Region und von der Reaktion der Einheimischen,
wenn sie auf die Soldaten treffen. Er habe auch den Umgang der Soldaten untereinander überraschend
angenehm empfunden, sagt der Sänger. Auch bei Cornelia Zach, so sagt sie,
hätte sich das eine oder andere Vorurteil etwas aufgeweicht, nachdem ihr
die
militärische Welt doch zuvor ein wenig suspekt gewesen sei.
Auch das Konzert vor den Repräsentanten sei ein wenig abenteuerlich gewesen,
berichten die Musiker. Nicht nur die Musik ist für die einheimischen Mandatsträger
etwas ungewohnt gewesen, erzählt Thomas Kiessling, man sei es auch nicht
gewohnt, dass Frauen auf der Bühne stehen. Für die konzertsaalgewohnten
Musiker war es doch auch etwas komisch, dass gelegentlich Zuhörer sprechend,
mit dem Handy am Ohr, den Saal verließen. Unter dem Strich war das Gastspiel
aber ein großer Erfolg mit vielen Eindrücken, die die Künstler,
wie sie sagen, nicht missen möchten. Für Bettina Rohrbeck war dies
eine Reise, die ihren Eindruck hinterlassen hat. „Ich muss das aber nicht
jeden Tag haben“, sagt die Pianistin und Cornelia Zach findet die Reise
im nachhinein spannender als erwartet.
Auf den Punkt bringt es wohl Bettina Rohrbeck, die sagt: „Es war so, wie
man es sich als Musiker wünscht: Auch wenn unterschiedlichste Kulturen aufeinandertreffen,
war die Musik eine übergreifende Botschaft.“ |
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