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 „James Bond auf dem Balkan“
 Ministerium ermittelt: Soldaten als Reporter in Geheimdienst-Mission?
Itzehoe [12.01.06] . Bundeswehrsoldaten als Geheimdienst-Mitarbeiter? Nach Informationen von tageschau.de, sollen sich zwei deutsche SFOR-Soldaten im Jahr 2003 illegaler Weise in zivil als Journalisten ausgegeben haben, um an geheimdienstrelevante Informationen im Bereich Terrorismus zu gelangen. Das Verteidigungsministerium bestätigte auf Anfrage von truppen.info entsprechende interne Untersuchungen, die „möglicherweise Gegenstand disziplinarischer Verfahren sein könnten“. Bundeswehr- und Journalistenverband zeigen sich besorgt bis bestürzt, mehrere Bundestagsabgeordnete sprechen bereits von einem Schaden für die Armee. Der Generalinspekteur der Bundeswehr hat eine lückenlose Aufklärung zugesagt.
  Soldaten treffen auf ein Kamerateam
Oft geht es zwischen Soldaten und Presse angespannt zu. Trugen Soldaten aber auch zu einer Verschärfung des Verhältnisses bei, in dem sie sich als Pressevertreter ausgaben?
Foto: aviso media
Der Vorwurf lautet: zwei Soldaten vom Feldnachrichtendienst besuchen in Bosnien-Herzegowina unter falscher Identität die Ehefrau eines Guantanamo-Häftlings, führen ein Interview, machen Fotos. Allerdings erscheint nirgends ein Artikel, dafür sehr zeitnah ein Geheimdossier im deutschen SFOR-Hauptquartier. Wenn die Geschichte so stimmt, ein eindeutiger Verstoß gegen die Dienstvorschriften. Die „Field Humint Teams“ (human intelligence) haben nämlich den Auftrag, „Nachrichtengewinnung“ grundsätzlich in Uniform zu betreiben. Ziel ist es, durch offene Befragungen und Gespräche mit der einheimischen Bevölkerung die Stimmungslage im Einsatzland zu eruieren, Gefahren für die eigene Truppe und Veränderungen der allgemeinen Sicherheitslage aufzuklären und zu melden. Eine „nachrichtendienstliche“ Tätigkeit auch und gerade unter Annahme von Scheinidentitäten ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Hierfür ist der Bundesnachrichtendienst (BND) zuständig.
Auch der im Einsatz befindliche Militärische Abschirmdienst der Bundeswehr (MAD) ist gemäß MAD-Gesetz zu solchen Untersuchungen nicht autorisiert. Seine Aufgabe liegt vielmehr vornehmlich in der Abwehr von Infiltration und somit dem Schutz der Angehörigen der Bundeswehr. Ein Beispiel wären die Kontrolle der „locals“, sprich der zivilen, einheimischen Mitarbeiter in den Feldlagern. Ein anderes Beispiel, das truppen.info von einem einem einsatzerfahrenen Soldaten geschildert wurde: Wenn Einheimische mit deutschen Soldaten in Verwicklungen geraten, gilt es die „Angelegenheit“ einvernehmlich zu klären, gegebenenfalls auch finanziell.
Zum in Frage stehenden Fall vermag die Bundeswehr bislang nichts näheres zu sagen, die Untersuchungen gestalten sich "ungeheuer schwer", heißt es. Grund: der vermeintliche Vorfall liegt bereits über zwei Jahre zurück und soll zu Zeiten von SFOR (heute EUFOR) und unter NATO-Führung (heute EU-Führung) geschehen sein. Ob der BND in die Angelegenheit verstrickt ist, vermag das Verteidigungsministerium nicht zu sagen. Ob es überhaupt eine Zusammenarbeit gibt ist "nicht bekannt". Der BND selbst sah sich bislang zu keiner Stellungnahme gegenüber truppen.info in der Lage.
(Lars Bessel)

Sarajevo in Bosnien-Herzegowina: Seit Jahren Einsatzort von Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern unterschiedlichster Nationen. Gibt es auch eine Verbindung zwischen Bundeswehr und Bundesnachrichtendienst?
Foto: Bessel
Kommentar
Das schrieb tagesschau.de
Das MAD-Gesetz
Über das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr
 
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