Der
Vorwurf lautet: zwei Soldaten vom Feldnachrichtendienst
besuchen in Bosnien-Herzegowina unter falscher Identität
die Ehefrau eines Guantanamo-Häftlings, führen
ein Interview, machen Fotos. Allerdings erscheint nirgends
ein Artikel, dafür sehr zeitnah ein Geheimdossier im
deutschen SFOR-Hauptquartier. Wenn die Geschichte so stimmt,
ein eindeutiger Verstoß gegen die Dienstvorschriften.
Die „Field Humint Teams“ (human intelligence)
haben nämlich den Auftrag, „Nachrichtengewinnung“ grundsätzlich
in Uniform zu betreiben. Ziel ist es, durch offene Befragungen
und Gespräche mit der einheimischen Bevölkerung
die Stimmungslage im Einsatzland zu eruieren, Gefahren für
die eigene Truppe und Veränderungen der allgemeinen
Sicherheitslage aufzuklären und zu melden. Eine „nachrichtendienstliche“ Tätigkeit
auch und gerade unter Annahme von Scheinidentitäten
ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Hierfür ist
der Bundesnachrichtendienst (BND) zuständig.
Auch der im Einsatz befindliche Militärische Abschirmdienst
der Bundeswehr (MAD) ist gemäß MAD-Gesetz zu solchen
Untersuchungen nicht autorisiert. Seine Aufgabe liegt vielmehr
vornehmlich in der Abwehr von Infiltration und somit dem
Schutz der Angehörigen der Bundeswehr. Ein Beispiel
wären die Kontrolle der „locals“, sprich
der zivilen, einheimischen Mitarbeiter in den Feldlagern.
Ein anderes Beispiel, das truppen.info von einem einem einsatzerfahrenen
Soldaten geschildert wurde: Wenn Einheimische mit deutschen
Soldaten in Verwicklungen geraten, gilt es die „Angelegenheit“ einvernehmlich
zu klären, gegebenenfalls auch finanziell.
Zum in Frage stehenden Fall vermag die Bundeswehr bislang
nichts näheres zu sagen, die Untersuchungen gestalten
sich "ungeheuer schwer", heißt es. Grund:
der vermeintliche Vorfall liegt bereits über zwei
Jahre zurück und soll zu Zeiten von SFOR (heute EUFOR)
und unter NATO-Führung (heute EU-Führung) geschehen
sein. Ob der BND in die Angelegenheit verstrickt ist, vermag
das Verteidigungsministerium nicht zu sagen. Ob es überhaupt
eine Zusammenarbeit gibt ist "nicht bekannt". Der
BND selbst sah sich bislang zu keiner Stellungnahme gegenüber
truppen.info in der Lage.
(Lars Bessel)
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