|
Afghanistan: ein Land mit rund 28 Millionen
Einwohnern, das aufgrund seiner Gebirge (vor allem der Hindukusch)
zu drei
Vierteln unzugänglich ist. Ein Land, das Jahrzehnte des
„Stellvertreter-Krieges“ erlebt hat und als
„Terroristenschmiede“ unten den radikalen Taliban um Osama Bin
Laden traurige Berühmtheit erlangt hat. Die Amerikaner befinden
sich dort deshalb noch immer im Krieg und machen Jagd auf „Al
Kaida“ – auch mit Unterstützung der Bundeswehr. Auch wenn
das
„Kommando Spezialkräfte“ (KSK) aus dem baden-württembergischen
Calw in diesem Kriegseinsatz immer wieder Verluste verzeichnen
muss, gibt es diese Mission im offiziellen Sprachgebrauch
eigentlich nicht. Bekannt ist dagegen die Mission ISAF, zu der
auch Peter P. (47) gehörte.
Stationiert war der Kapitänleutnant während seines
Auslandseinsatzes in der Stadt Kunduz im Norden Afghanistans.
Ein provisorisches Feldlager im Stadtzentrum, das an sich für
260 Soldaten ausgelegt, teilweise aber auch mit bis zu 400
Deutschen belegt war, so P.. Mittlerweile werde nahe des
Flughafens außerhalb der Stadt eine neue Unterkunft gebaut, die
nach dem Abzug der Bundeswehr als afghanische Universität
genutzt werden soll. Das schlimmste seien die Sandfliegen
gewesen, die „hässliche und nässende Ekzeme“ verursacht hätten –
auch wenn er davon verschon geblieben sei. Für die spärliche
Freizeit gab es das „Lummerland“, eine sogenannte
„Betreuungseinrichtung“ (maximal zwei Dosen Bier am Tag), sowie
die „Muckibude“ mit Laufbändern, Indoor-Fahrrädern und
Gewichtstangen. Highlight war der Freitag (entspricht dem
deutschen Sonntag, Anm. d. Red.) mit einem kleinen Basar der
Einheimischen im Feldlager – Schwerpunkt Mitbringsel.
Auftrag der CIMIC-Soldaten ist es, ein möglichst genaues
Lagebild von der Einsatzregion zu erstellen – das im übrigen
auch anderen, sogar zivilen Hilfsorganisationen zur Verfügung
gestellt wird. Die entscheidenden Bereiche sind Infrastruktur,
Bildung, Gesundheit, Verwaltung, Landwirtschaft und
Gesellschaft. Ziel ist dabei nicht nur, militärische
Entscheidungen zu erleichtern, sondern auch gezielt zu helfen,
um die Stabilität im Land (wieder-) herzustellen. Er sehe dabei,
so P., „ernsthafte Bemühungen der Afghanen, um
Entspannung, Beruhigung und Befriedung“.
Anders als noch auf dem Balkan bei SFOR und KFOR gehe es bei
ISAF nicht um „Dachlatten-CIMIC“, erklärt Peter P. in der Kremper
Schulaula, sprich nicht direkter Wiederaufbau durch die
deutschen Militärs ist gefordert, sondern Hilfe zur Selbsthilfe.
„Die Bundeswehr lernt eben auch dazu“, sagt er später gegenüber
truppen.info. Von der ursprünglich angekündigten „kritischen“
Analyse seines Einsatzes bleibt jedoch nach unserer Voranmeldung
zum Vortrag und Rücksprache mit dem zuständigen Presseoffizier
ansonsten nicht mehr viel übrig. |